Dokumente
Beschreibung
Sigraflex-Hochdruck besteht aus abwechselnden 0,5 mm starken Lagen hochreiner SIGRAFLEX-Graphitfolie und 0,05 mm starken Edelstahlfolien aus 316L, die durch die bewährte SIGRAFLEX HOCHDRUCK-Technologie klebstoff- und bindemittelfrei miteinander verbunden sind. Der Graphitanteil erreicht eine Reinheit von ≥99,85 % Kohlenstoff, einen Gesamtchloridgehalt von ≤10 ppm und einen Schwefelgehalt unter 300 ppm (Standardqualität) bis unter 10 ppm (auf Anfrage). Eine Antihaft-Imprägnierung erleichtert die Demontage und reduziert die Leckage zusätzlich.Die Platte ist für Betriebstemperaturen von -269 °C bis ca. 550 °C ausgelegt. Über 450 °C ist Rücksprache empfohlen, da die Lebensdauer bei hohen Temperaturen eingeschränkt sein kann. Der zulässige Betriebsdruck reicht von Vakuum bis 250 bar. Die Druckstandfestigkeit nach DIN 52913 (16 h bei 300 °C, 50 N/mm²) beträgt ≥48 N/mm² für alle Dicken.
Erhältlich in den Dicken 1,0 / 1,5 / 2,0 / 3,0 / 4,0 mm (Plattenformat 1,0×1,0 m und 1,5×1,5 m). Als einteilige Dichtung einsetzbar bis Ø 1500 mm; darüber als zweilagiger Segmentaufbau. Für korrosionsempfindliche Anwendungen ist eine schwefelarme Kernkraftwerksqualität mit Schwefelgehalt <200 ppm verfügbar.
Zulassungen und Prüfberichte umfassen: TA Luft nach VDI 2440/VDI 2200, Fire Safe nach BS 6755-2 und API 607, Ausblassicherheit nach ASTM WK26064 (HOBT), BAM-Prüfberichte für Sauerstoff sowie Ethylenoxid/Propylenoxid, DVGW nach DIN 3535-6, Dichtung 100 nach TRD 401, lebensmittelrechtliche Bewertung TÜV Rheinland sowie EG 1935/2004 und LFGB.
Merkmale
- Werkstoff GraphitExpandierter Naturgraphit, Reinheit ≥99,85 % C, Aschegehalt ≤0,15 % (DIN 51903)
- Werkstoff VerstärkungEdelstahl-Glattblech 316L, Foliendicke 0,05 mm
- LagenaufbauMehrlagiger Verbund: 0,5 mm Graphitfolie und 0,05 mm Edelstahlfolie, klebstoff- und bindemittelfrei
- Gesamtchloridgehalt≤10 ppm
- Gesamthalogengehalt (Cl, F, Br, I)≤40 ppm
- Gesamtschwefelgehalt<300 ppm (Standard); <200 ppm (Kernkraftwerksqualität); <10 ppm auf Anfrage
- Rohdichte des Graphits1,1 g/cm³
- Temperaturbereich-269 °C bis ca. +550 °C (bei Dampf bis +650 °C; über +450 °C Rücksprache empfohlen)
- DruckbereichVakuum bis 250 bar
- Druckstandfestigkeit (DIN 52913)≥48 N/mm² (16 h bei 300 °C, 50 N/mm²)
- Kompressibilität (ASTM F36)37 %
- Kaltstauchwert εKSW35 % (bei 35 N/mm²)
- Warmsetzwert εWSW<3 % (bei 50 N/mm², 300 °C, 16 h)
- Maximale zulässige Flächenpressung σVO bei 20 °C200–305 N/mm² (je nach Dicke)
- Maximale zulässige Flächenpressung σBO bei 300 °C160–250 N/mm² (je nach Dicke)
- Dichtungsfaktor m (DIN E 2505/DIN 28090-1)1,3
- ASTM m-Faktor2,5
- ASTM y-Faktor3000 psi
- ImprägnierungAntihaft-Imprägnierung (passiver Korrosionsinhibitor nach ASTM F 2168-13)
- NormDIN 28091
- Verfügbare Dicken1,0 / 1,5 / 2,0 / 3,0 / 4,0 mm
- Plattenformat1,0×1,0 m und 1,5×1,5 m
- Oxidationsinhibitorja
Vorteile
- Klebstoff- und bindemittelfreier Mehrlagenverbund verhindert Versprödung und Alterung, auch bei Temperaturwechseln zwischen -269 °C und +550 °C.
- Edelstahlverstärkung (316L) erhöht die mechanische Festigkeit und Ausblassicherheit über die Werte unverstärkter Graphitplatten hinaus, bestätigt durch den HOBT-Test nach ASTM WK26064.
- Sehr hohe maximale Flächenpressung (bis 305 N/mm² bei 20 °C) ermöglicht den Einsatz in Nut-/Feder-Flanschen und anderen mechanisch hoch belasteten Verbindungen ohne Quetschen des Dichtelements.
- Warmsetzwert unter 3 % (bei 50 N/mm², 300 °C, 16 h nach DIN 28090-1) sichert langzeitstabiles Dichtverhalten und reduziert den Nachanziehbedarf im Betrieb.
- Gesamtchloridgehalt ≤10 ppm und passiver Korrosionsinhibitor nach ASTM F 2168-13 schützen austenitische Edelstahlflansche vor Spannungsrisskorrosion.
- Antihaft-Imprägnierung erleichtert die Demontage und verhindert das Anhaften der Platte an Flanschflächen, was die Wiederverwendbarkeit des Flansches sichert.
- Zugelassen nach TA Luft (VDI 2440/VDI 2200), Fire Safe nach BS 6755-2/API 607 und DVGW (DIN 3535-6) — eine Dichtungsplatte für Rohrleitungen, Gas, Dampf und Prozessmedien ohne Produktwechsel.
Einsatzgebiete
- Rohrleitungsflansche in Chemie und Petrochemie
- Sigraflex-Hochdruck dichtet Flanschverbindungen in Rohrleitungssystemen nach DIN EN 1092-1 ab, wo aggressive Medien und Drücke bis 250 bar den Einsatz unverstärkter Dichtungswerkstoffe ausschließen.
- Nut-/Feder-Flansche an Apparaten und Wärmetauschern
- Der mehrlagige Aufbau mit hoher maximaler Flächenpressung (bis 305 N/mm²) eignet sich für mechanisch hoch belastete Nut-/Feder-Flansch-Verbindungen an Druckbehältern, Kolonnen und Rohrbündel-Wärmetauschern.
- Dampfleitungen und Dampfkessel in Kraftwerken
- Die Platte ist für Dampfanwendungen bis ca. 550 °C (kurzzeitig bis 650 °C) zugelassen und erfüllt die Anforderungen nach TRD 401 (Dichtung 100) für Dampferzeuger und Druckbehälter in der Energieerzeugung.
- Raffinerie- und Nuklearanlagen
- Die Schwefelgehalts-Varianten <200 ppm und <10 ppm erfüllen die Anforderungen der Nuklear- und Raffinerieindustrie an die Reinheit von Dichtungswerkstoffen bei reaktiven und hochreinen Prozessmedien.
- Wärmeträgeröl- und Heizanlagen
- Die Oxidationsbeständigkeit und das stabile Kompressionsverhalten bei Temperaturwechseln machen die Platte geeignet für Dichtverbindungen in Wärmeträgerkreisläufen mit organischen Wärmeträgern.
- Schaugläser, Pumpen und Armaturen
- Als einteilige Zuschnittdichtung bis Ø 1500 mm lässt sich die Platte für Flanschdichtungen an Schaugläsern, Pumpengehäusen und Armaturenböden einsetzen, wo ein häufiger Dichtungswechsel aufwändig ist.
- TA-Luft-pflichtige Anlagen (mit HOCHDRUCK PRO)
- Die Variante SIGRAFLEX HOCHDRUCK PRO (V...Z3IP) trägt das TA-Luft-Zertifikat nach VDI 2440/VDI 2200 und ist für emissionskritische Anlagen in der chemischen und petrochemischen Industrie vorgesehen.
Do's and Dont's
Do's:- Dichtung trocken und vor mechanischer Beschädigung geschützt lagern.
- Flanschflächen vor Montage reinigen und auf Rauheit und Ebenheit prüfen.
- Schrauben über Kreuz und in mehreren Runden auf das berechnete Anzugsmoment anziehen.
- Bei Anwendungen über 450 °C vor der Auswahl technische Rücksprache halten.
- Für Nuklear- und stark korrosionsempfindliche Anwendungen schwefelarme Qualität (<200 ppm oder <10 ppm S) verwenden.
- Nach erstem Aufheizen Schraubenanzug prüfen und ggf. nachziehen.
- Dichtungsplatte nicht biegen, knicken oder werfen; Graphitlagen können bei mechanischer Einwirkung brechen.
- Keine Schmiermittel oder Klebstoffe auf die Dichtflächen auftragen; die Antihaft-Imprägnierung ist bereits werkseitig aufgebracht.
- Nicht mit offenen Flammen oder Funken in Kontakt bringen (Graphit ist brennbar).
- Keine beschädigten oder vorverformten Dichtungen wiederverwenden.
Montage
- Flanschflächen vor der Montage auf Verunreinigungen, Kratzer und Korrosion prüfen. Rückstände alter Dichtungen vollständig entfernen. Auflagen und Nut/Feder auf Maßhaltigkeit kontrollieren.
- Dichtung auf korrekten Außen- und Innendurchmesser sowie Lochbild prüfen. Die Platte ist bis Ø 1500 mm einteilig einzusetzen; darüber als zweilagiger Segmentaufbau ausführen.
- Empfohlene Montage-Flächenpressung: ≥20 N/mm² bis zur maximal zulässigen Flächenpressung σVO. Schrauben schrittweise über Kreuz in mindestens drei Anzugsrunden auf das Zieldrehmoment anziehen.
- Nachziehen nach dem ersten Aufheizen auf Betriebstemperatur ist empfohlen, um thermisch bedingtes Setzen auszugleichen. Detaillierte Montagehinweise sind unter www.sigraflex.de/downloads verfügbar.
- Für Nut-/Feder-Flansche: Dichtungsbreite an die Nutabmessungen anpassen. Bei Rohrleitungen mit PN-Klassen sicherstellen, dass der gewählte Schraubenanzug die erforderliche Mindestflächenpressung σVU/0,1 für die jeweilige Druckstufe erreicht (z. B. 10 N/mm² bei 1,0 mm Dicke für 10 bar).
FAQ
- Bis zu welcher Temperatur ist Sigraflex-Hochdruck dauerhaft einsetzbar?
Die Platte ist für Dauerbetrieb bis ca. 450 °C ausgelegt; bei Dampfanwendungen sind kurzzeitig bis ca. 650 °C möglich. Über 450 °C Dauertemperatur wird eine individuelle technische Beratung empfohlen, da die Lebensdauer von Medium und Flächenpressung abhängt. Der Tieftemperaturbereich reicht bis -269 °C.
- Was ist der Unterschied zwischen SIGRAFLEX HOCHDRUCK und SIGRAFLEX HOCHDRUCK PRO?
SIGRAFLEX HOCHDRUCK PRO (V...Z3IP) trägt ein TA-Luft-Zertifikat nach VDI 2440/VDI 2200 und ist für emissionsrelevante Anlagen vorgeschrieben. Die Basis-Variante HOCHDRUCK ist für Anwendungen ohne TA-Luft-Pflicht geeignet; sie verfügt über dieselben Materialeigenschaften, jedoch ohne dieses spezifische Emissionszertifikat.
- Welche Schwefelgehalts-Variante ist für Kernkraftwerke und Nuklearanwendungen vorgeschrieben?
Für die Nuklearindustrie ist die schwefelarme Qualität mit Schwefelgehalt <200 ppm (Kernkraftwerksqualität) erforderlich. Auf Anfrage ist auch eine Qualität mit <10 ppm Schwefel lieferbar. Die Standardqualität liegt bei <300 ppm und ist für die meisten industriellen Anwendungen ausreichend.
- Wie berechne ich die erforderliche Mindestflächenpressung für die Montage?
Die Mindestflächenpressung für Montage beträgt ≥20 N/mm². Der für den Betrieb notwendige Wert σBU ergibt sich aus dem Betriebsdruck pi multipliziert mit dem Dichtungsfaktor m = 1,3 (nach DIN 28090-1): σBU = pi × m. Für die exakte Auslegung nach AD-Merkblatt B7 gelten die Formeln KD = σVU × k0 × bD und k1 = m × bD; die Dichtungskennwerte nach DIN EN 13555 sind unter www.esadata.org abrufbar.
- Kann Sigraflex-Hochdruck für Sauerstoffleitungen verwendet werden?
Ja, für Sauerstoffanwendungen liegt ein BAM-Prüfbericht vor. Aufgrund der besonderen Sicherheitsanforderungen bei Sauerstoff müssen die Randbedingungen (Druck, Temperatur, Strömungsgeschwindigkeit) mit den BAM-Prüfbedingungen abgeglichen werden. Eine technische Rücksprache vor dem Einsatz ist erforderlich.
- Warum wird ein Nachziehen der Schrauben nach dem ersten Aufheizen empfohlen?
Beim ersten Aufheizen auf Betriebstemperatur setzt die Dichtung thermisch bedingt nach (Warmsetzwert εWSW <3 % nach DIN 28090-1). Dieser Setzvorgang reduziert die Flächenpressung und kann, wenn nicht ausgeglichen, die Dichtheit beeinträchtigen. Einmaliges Nachziehen auf das Zieldrehmoment nach dem ersten Aufheizzyklus stabilisiert die Verbindung dauerhaft.
- Wie groß kann eine einteilige Sigraflex-Hochdruck-Dichtung maximal sein?
Als einteilige Dichtung ist die Platte bis zu einem Außendurchmesser von Ø 1500 mm lieferbar, da dies dem größten Plattenformat (1,5×1,5 m) entspricht. Für größere Durchmesser wird ein zweilagiger Aufbau in Segmenten ausgeführt, der dieselben Dichtheitsklassen erreicht.