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Beschreibung
Die Type 77A ist eine diagonal geflochtene Stopfbuchspackung aus expandierten, flexiblen Reingrafitbändern. Durch den diagonalen Flechtaufbau lässt sie sich gleichmäßig in jede Stopfbuchse einpressen und passt sich der Geometrie von Welle und Gehäuse an, ohne dabei zu verwinden oder einzureißen. Der sehr niedrige Reibungskoeffizient reduziert den Wellenverschleiß und den Energieaufwand beim Anlaufen.Das Material Reingraphit ermöglicht einen pH-Bereich von 0 bis 14. Zulässige Betriebstemperaturen liegen bei -240 °C bis +450 °C; in Dampfanwendungen sind bis +650 °C erreichbar. Der zulässige Druck beträgt bis 30 bar rotierend, bis 100 bar oszillierend und bis 300 bar statisch. Die Gleitgeschwindigkeit ist auf 30 m/s begrenzt (Wasser bis 25 m/s, andere Medien bis 20 m/s).
Bei sehr hohen statischen Drücken empfiehlt HENNLICH den Einsatz von Kammerungsringen der Typen 74A oder 77A/74B an den Enden der Packungsgarnitur, um Extrusion zu verhindern. Die Packung ist BAM-geprüft und damit auch für Anwendungen mit Sauerstoff zugelassen. Stark oxidierende Medien, Verbrennungsgase und heiße Luft über 450 °C sind ausgenommen.
Die niedrige Dichte des expandierten Graphits ergibt mehr Laufmeter pro Kilogramm als bei vorgepressten Vollgrafitringen. Die Packung ist als Meterware lieferbar und lässt sich direkt auf der Welle ablängen, was den Lagerbedarf und die Montagezeit gegenüber konfektionierten Einzelringen verringert.
Merkmale
- WerkstoffExpandiertes Reingraphit, diagonal geflochten
- Temperaturbereich-240 °C bis +450 °C; Dampf bis +650 °C
- Max. Druck rotierend30 bar
- Max. Druck oszillierend100 bar
- Max. Druck statisch300 bar
- Max. Gleitgeschwindigkeit30 m/s (Wasser bis 25 m/s, andere Medien bis 20 m/s)
- pH-Bereich0–14
- ZulassungBAM (Sauerstoffanwendungen)
- Nicht geeignet fürStark oxidierende Medien, Verbrennungsgase und heiße Luft über 450 °C
Vorteile
- Niedriger Reibungskoeffizient durch expandiertes Reingraphit: geringerer Wellenverschleiß und niedrigerer Energiebedarf im Vergleich zu Hanfpackungen oder Aramid-Packungen.
- Breiter pH-Bereich 0–14: einsetzbar in sauren und alkalischen Prozessmedien ohne Werkstoffwechsel.
- Temperaturbereich -240 °C bis +450 °C (Dampf +650 °C): abdeckt kryogene Anwendungen ebenso wie Hochtemperatur-Dampfprozesse mit einer einzigen Packungstype.
- Hohe Wärmeleitfähigkeit des Graphits: Wärmeabfuhr aus der Stopfbuchse wird verbessert, Überhitzungsrisiko bei schnell laufenden Pumpen sinkt.
- BAM-Zulassung für Sauerstoffanwendungen: keine separate Sauerstofftauglichkeitsprüfung erforderlich.
- Geringere Dichte als vorgepresste Reingrafitring-Sets: mehr Laufmeter pro Kilogramm senkt den Materialverbrauch bei Standardquerschnitten.
Einsatzgebiete
- Kreiselpumpen in Kraftwerken
- Die 77A dichtet Speisewasserpumpen und Kondensatpumpen ab, wo Dampf und heißes Wasser bei Temperaturen bis 450 °C und Drücken bis 30 bar rotierend anfallen.
- Armaturen in Raffinerien
- In Absperrschiebern und Regelventilen für Kohlenwasserstoffe, Öle und Prozessgase wird die hohe chemische Beständigkeit des Reingraphits genutzt. Bei statischen Drücken über 100 bar werden Kammerungsringe Typ 74A kombiniert.
- Chemiepumpen mit aggressiven Medien
- Einsetzbar für Säuren und Laugen im pH-Bereich 0–14, z. B. Schwefelsäurepumpen in der Düngemittelproduktion oder Natronlaugepumpen in der Papierherstellung.
- Dampfventile in der Prozessindustrie
- Für Absperrventile in Dampfleitungen bis +650 °C Dampftemperatur, wo herkömmliche Elastomerpackungen thermisch versagen würden.
- Kryogene Anwendungen
- Der Einsatz bei Temperaturen bis -240 °C macht die 77A geeignet für Ventile und Pumpen in Flüssigstickstoff- und Flüssigsauerstoff-Anlagen; BAM-Zulassung bestätigt die Sauerstoffverträglichkeit.
- Wasserversorgung und Abwasserbehandlung
- In Pumpen für Roh- und Abwasser dichtet die 77A bei bis zu 25 m/s Wellengeschwindigkeit und pH-Werten über den gesamten Bereich 0–14 zuverlässig ab.
- Schieber in der Petrochemie
- Für oszillierende Anwendungen wie Schieberspindeln in Hochdruckleitungen bis 100 bar, wo Aramidpackungen wegen unzureichender Temperaturbeständigkeit nicht infrage kommen.
Do's and Dont's
Do's:- Packung bei jeder Überholung vollständig erneuern, auch wenn nur einzelne Ringe beschädigt scheinen.
- Stöße jedes Packungsrings gegenüber dem benachbarten Ring um mindestens 90° versetzen.
- Bei der Inbetriebnahme kontrollierte Restleckage zulassen und Packung schrittweise nachziehen.
- Für Sauerstoffanwendungen ausschließlich Graphitpaste ohne Mineralölanteile oder die BAM-zugelassene Eigenimprägnierung verwenden.
- Packungsringe trocken, kühl und lichtgeschützt lagern; UV-Einwirkung vermeiden.
- Nicht mit stark oxidierenden Medien (z. B. konzentrierte Salpetersäure, Chlorgas, konzentrierte Perchlorsäure) einsetzen.
- Nicht in Verbrennungsgasen oder heißer Luft über 450 °C betreiben.
- Packung nie als Wendel einbauen; nur einzelne, geschlossene Ringe einlegen.
- Keine zu großen Querschnitte durch Hämmern auf Maß bringen; aufgedehnte Packung schrumpft nach dem Einbau zurück und erhöht die Reibung.
- Keine petroleumhaltigen oder auf Mineralöl basierenden Schmiermittel in Sauerstoffanlagen verwenden.
Montage
- Stopfbuchsenraum und Welle vor dem Einbau auf Verschleiß, Riefen und Rost prüfen. Oberflächenrauheit der Welle im Dichtbereich: Rt ≤ 5 µm. Wellenschlag max. 0,001 × Wellendurchmesser bei Gleitgeschwindigkeiten über 2 m/s.
- Spalt zwischen Welle und Gehäuse bzw. Brille messen: max. 0,2 mm. Bei größerem Spalt extrusionsfeste Packungen oder Vorlageringe (Typ 74A) verwenden.
- Packungslänge aus Meterware direkt auf der Welle anzeichnen und mit einem geraden, scharfen Schnitt ablängen. Stoßflächen im 45°-Winkel schneiden, damit der Stoß beim Einlegen nicht aufklafft.
- Packungsringe einzeln einlegen. Nie die Packung als Wendel einbauen. Stöße benachbarter Ringe um mindestens 90° versetzt positionieren.
- Jede Lage vor dem Einlegen der nächsten leicht vorpressen. Die Packung nur mit Graphitpaste oder dem Betriebsmedium benetzen; keine petroleumhaltigen Schmiermittel verwenden.
- Stopfbuchsbrille handfest anziehen, Pumpe oder Armatur kurz anlaufen lassen und danach schrittweise nachziehen, bis die Leckage auf eine dünne Tröpfchenreihe reduziert ist. Packungen müssen eine kontrollierte Mindestleckage behalten; trockener Betrieb verbrennt die Packung.
- Bei sehr hohen statischen Drücken (über 100 bar) Kammerungsringe Typ 74A oder 77A/74B an Einlaufseite und Auslaufseite der Packungsgarnitur einsetzen.
FAQ
- Bis zu welcher Temperatur ist die Stopfbuchspackung 77A dauerhaft einsetzbar?
Im Normalbetrieb ist die 77A bis +450 °C dauerhaft einsetzbar. In reinen Dampfanwendungen sind Betriebstemperaturen bis +650 °C zulässig. Die untere Grenze liegt bei -240 °C, womit auch kryogene Prozesse abgedeckt werden.
- Warum darf die 77A nicht mit stark oxidierenden Medien betrieben werden?
Expandiertes Graphit reagiert bei Kontakt mit stark oxidierenden Medien wie konzentrierter Salpetersäure, Chlorgas oder Perchlorsäure durch oxidativen Abbau der Kohlenstoffstruktur. Dabei verliert die Packung mechanische Festigkeit und Dichtwirkung. Für solche Medien sind chemisch inerte Packungswerkstoffe wie PTFE (Typ 72B) geeigneter.
- Wann werden Kammerungsringe bei der 77A benötigt?
Bei statischen Drücken, bei denen das Risiko besteht, dass die Packung durch den Dichtspalt extrudiert wird, empfiehlt HENNLICH Kammerungsringe aus Typ 74A oder aus der Kombination 77A/74B. Die Kammerungsringe werden an den Einlauf- und Auslaufseiten der Packungsgarnitur positioniert und stützen die weichere Graphitpackung gegen Extrusion ab.
- Welchen Unterschied gibt es zwischen der 77A und vorgepressten Reingrafitringen?
Vorgepresste Reingrafitring-Sets (z. B. Typ 74A) haben definierte Geometrie und können ohne Ablängen eingebaut werden, sind jedoch nur in bestimmten Abmessungen konfektioniert erhältlich. Die 77A wird als Meterware geliefert und kann auf jede benötigte Ringtiefe zugeschnitten werden, was Lagerhaltung vereinfacht. Im Betrieb bieten beide vergleichbare Temperatur- und Druckbeständigkeit; die 77A ist durch ihre Flechtstruktur etwas flexibler und lässt sich leichter in abgenutzte Stopfbuchsen ohne Gehäuseausbau einlegen.
- Darf die 77A in Sauerstoffanlagen eingesetzt werden?
Ja. Die Packung trägt eine BAM-Zulassung für Sauerstoffanwendungen. Bei der Montage in Sauerstoffleitungen sind ausschließlich sauerstoffverträgliche Schmiermittel ohne Mineralölanteile zu verwenden, um das Entzündungsrisiko durch adiabatische Kompression zu vermeiden.
- Wie viel Leckage ist bei einer korrekt eingebauten 77A normal?
Eine Stopfbuchspackung benötigt eine kontrollierte Mindestleckage zur Schmierung und Kühlung der Packungsringe. Bei rotierenden Wellen gilt eine feine Tröpfchenreihe als Richtwert; sichtbare Leckagemengen sprechen für eine zu locker angezogene Brille. Trockener Betrieb ohne jede Leckage führt zu Überhitzung und vorzeitigem Packungsversagen.