Dokumente
Beschreibung
Die RO800 wurde als Rotations-Stangendichtung speziell für Drehdurchführungen entwickelt und ist als Patent geschützt. Der einteilige Dichtkörper aus Hythane 181® ist ein Polyether-Polyurethan-Spezialwerkstoff mit extrem hoher Abrieb- und Verschleißfestigkeit. Gegenüber zweiteiligen Dichtungssystemen entfällt die Relativbewegung zwischen Vorspannelement und Dichtkörper vollständig.Die Betriebsgrenzen liegen bei einer Umfangsgeschwindigkeit von maximal 0,2 m/s, einem dynamischen Betriebsdruck von maximal 350 bar und einem pv-Grenzwert von 25 bar m/s im geschmierten Betrieb. Der Temperaturbereich reicht von -30°C bis +80°C. Diese Grenzwerte dürfen nicht gleichzeitig auftreten.
Die Ausführung mit beidseitig integrierten Polyacetal-Back-Ringen überbrückt große Dichtspalte und ist für Drücke bis 350 bar ausgelegt. Für Anwendungen mit sehr geringem Führungsspiel oder niedrigen Druckbelastungen kann die RO800 auch ohne Back-Ringe eingesetzt werden. Für diese Auslegung ist eine technische Beratung durch HENNLICH empfohlen.
Die Dichtung ist für beidseitige Druckbeaufschlagung ausgelegt und in innen- sowie außendichtender Ausführung lieferbar. Aus dichtungstechnischer Sicht ist die innendichtende Variante vorzuziehen. Bei Verwendung als Endabdichtung empfiehlt sich der Einsatz eines zusätzlichen Abstreifers zum Schutz der Dichtung.
Merkmale
- Werkstoff DichtkörperHythane 181® (Polyether-Polyurethan, TPU/40)
- Werkstoff Back-RingePolyacetal (POM)
- Temperaturbereich-30°C bis +80°C
- Max. Betriebsdruck, dynamisch350 bar
- Max. Umfangsgeschwindigkeit0,2 m/s
- Max. pv-Grenzwert, geschmiert25 bar m/s
- Ausführungenmit beidseitigen Back-Ringen oder ohne Back-Ringe
- Dichtungsrichtunginnendichtend oder außendichtend
- Druckbeaufschlagungbeidseitig
- Toleranz Ød1 (Gleitfläche)f9
- Toleranz ØD1 (Gehäuse)H11
- Rautiefe Gleitfläche Ød1Ra 0,1–0,3 µm, Rt max. 2,5 µm
- Rautiefe statische Fläche ØD1Ra max. 1,6 µm, Rt max. 10 µm
- Mindesthärte Gegenfläche55–60 HRC (drallfrei geschliffen)
Vorteile
- Einteiliger Dichtkörper ohne Relativbewegung zwischen Vorspannelement und Dichtkörper, dadurch kein Verschleiß durch innere Reibung wie bei zweiteiligen Dichtungen.
- Hythane 181® Polyether-PU bietet extrem hohe Abrieb- und Verschleißfestigkeit sowie Hydrolysebeständigkeit und ermöglicht lange Standzeiten auch bei wechselnden Druckbelastungen bis 350 bar.
- Kälteflexibel bis -30°C durch die Polyether-Basis des Werkstoffs, der auch bei tiefen Temperaturen elastisch und dichtend bleibt.
- Polyacetal-Back-Ringe überbrücken große Dichtspalte zuverlässig und verhindern Extrusion des Dichtwerkstoffs bei Drücken bis 350 bar.
- Montage in geschlossene Einbauräume ohne Demontage der Baugruppe, einfache Nutgestaltung und kleiner Einbauraum reduzieren den Montageaufwand.
- Beidseitige Druckbeaufschlagung in einer einzigen Dichtung abgedeckt, kein separates Dichtungselement für jede Druckrichtung erforderlich.
Einsatzgebiete
- Drehdurchführungen in Mobilmaschinen
- Die RO800 dichtet hydraulische Drehdurchführungen zwischen Unter- und Oberwagen in Baggern, Kranfahrzeugen und Raupenfahrzeugen ab, wo beidseitige Druckbeaufschlagung bis 350 bar bei Schwenkbewegungen gefordert ist.
- Hydraulische Schwenkantriebe
- In Schwenkantrieben von Pressen, Handlingsystemen und Rundtischantrieben übernimmt die RO800 die Abdichtung der rotierenden Welle unter wechselnder Druckbelastung.
- Hydraulikmotoren und Hydraulikpumpen
- Für die Wellendurchführung in Hydraulikmotoren und -pumpen, wo geringe Reibung und hohe Verschleißfestigkeit bei Drücken bis 350 bar ausschlaggebend sind.
- Drehdurchführungen in Werkzeugmaschinen
- In Drehdurchführungen für die innere Kühlmittel- und Schmiermittelzufuhr von Werkzeugspindeln und Revolverköpfen, wo enge Einbauräume und geschlossene Nuten typisch sind.
- Drehdurchführungen in Walzwerken und Kalandern
- Für die Zuleitung von Kühlwasser oder Hydrauliköl zu rotierenden Walzen in der Stahl- und Kunststoffindustrie, wo kontinuierlicher Betrieb und geringe Leckage entscheidend sind.
- Schwenkverbindungen in der Fördertechnik
- In Schwenkarmen und Drehdurchführungen von Förderbändern, Stapelkranen und Teleskopfördersystemen, wo wechselnde Drehrichtungen und gelegentliche Druckspitzen auftreten.
- Off-Highway-Hydraulik in Landmaschinen
- In Drehdurchführungen von Feldhäckslern, Mähdreschern und Anbaugeräten für die Versorgung rotierender Anbauteile mit Hydrauliköl unter Feldbedingungen.
Do's and Dont's
Do's:- Gleitfläche drallfrei schleifen und auf mindestens 55–60 HRC härten, bevor die RO800 eingebaut wird.
- Oberfläche der Gleitfläche auf Ra 0,1–0,3 µm (Rt max. 2,5 µm) bearbeiten, um optimale Dichtwirkung und minimalen Verschleiß zu erzielen.
- RO800 als Endabdichtung mit einem Abstreifer kombinieren, um Schmutz von der Dichtfläche fernzuhalten.
- Einbauschrägen und Einlaufradien gemäß Datenblatt einhalten, damit die Dichtung beim Einbauen nicht beschädigt wird.
- Technische Beratung durch HENNLICH in Anspruch nehmen, wenn die RO800 ohne Back-Ringe oder bei Dreh- und Schwenkbewegungen unter erhöhtem Druck eingesetzt werden soll.
- Nicht ohne Back-Ringe bei hohen Drücken einsetzen, da sonst der Dichtwerkstoff in den Dichtspalt extrudiert wird.
- Gegenflächen mit unzureichender Härte (unter 55 HRC) vermeiden, da sonst die Welle einläuft und die Dichtwirkung nachlässt.
- Drallgeschliffene Oberflächen verwenden, da Drall die Dichtung förderpumpenartig belastet und zum Leckageversagen führt.
- Grenzwerte für Druck, Geschwindigkeit und Temperatur nicht gleichzeitig voll ausschöpfen, da die Grenzwerte unabhängig voneinander gelten.
- Keine scharfen Montagewerkzeuge oder Kanten ohne Einlaufschräge verwenden, die den Dichtkörper beim Einbau beschädigen könnten.
Montage
- Einbaunut und Gleitfläche vor der Montage auf Gratfreiheit, Sauberkeit und Maßhaltigkeit prüfen. Toleranz Ød1 = f9, ØD1 = H11, Einbaulänge L1 = +0,2/-0 mm.
- Gleitfläche Ød1 auf Rautiefe Ra 0,1–0,3 µm und Rt max. 2,5 µm prüfen. Oberfläche muss drallfrei geschliffen sein. Gegenfläche muss mindestens 55–60 HRC aufweisen, um Einlaufen der Welle zu vermeiden.
- Montageschräge am Einlauf vorsehen: Profilbreite ≤5,5 mm erfordert Schräge C min. 3,0 mm, maximaler Radius r1 = 0,8 mm; Profilbreite ≤7,75 mm erfordert C min. 5,0 mm, r1 max. 1,2 mm.
- RO800 leicht mit dem Betriebsmedium oder einem kompatiblen Hydraulikfett benetzen und gleichmäßig in den geschlossenen Einbauraum einlegen. Dichtung nicht überdehnen oder verdrehen.
- Bei Verwendung als Endabdichtung einen Abstreifer auf der medienseitigen Außenseite vorsehen, um die Dichtung vor Verschmutzung zu schützen.
- Bei Anwendungen ohne Back-Ringe (sehr geringes Führungsspiel oder niedrige Druckbelastung) vor der Montage technische Beratung durch HENNLICH einholen.
Hinweis: Dreh- und Schwenkbewegungen unter Druck sind dichtungstechnisch anspruchsvoll. Bei Unsicherheiten bezüglich der Auslegung empfiehlt HENNLICH die Rücksprache mit dem Anwendungstechniker.
FAQ
- Welche Betriebsgrenzen gelten für die RO800 und dürfen diese gleichzeitig ausgeschöpft werden?
Die RO800 ist für max. 350 bar Betriebsdruck, max. 0,2 m/s Umfangsgeschwindigkeit und einen Temperaturbereich von -30°C bis +80°C ausgelegt. Diese Grenzwerte gelten unabhängig voneinander und dürfen nicht gleichzeitig voll ausgeschöpft werden. Zusätzlich gilt der pv-Grenzwert von 25 bar m/s im geschmierten Betrieb als übergeordnete Systemgrenze.
- Wann wird die RO800 mit Back-Ringen eingesetzt und wann kann darauf verzichtet werden?
Die Ausführung mit Polyacetal-Back-Ringen ist für Drücke über 100 bar und größere Dichtspalte vorgesehen. Ohne Back-Ringe kann die RO800 nur bei sehr geringem Führungsspiel oder niedrigen Druckbelastungen eingesetzt werden. Für die Back-Ring-freie Ausführung empfiehlt HENNLICH eine technische Beratung, um Extrusion des Dichtwerkstoffs zu verhindern.
- Was ist der Unterschied zwischen der innen- und der außendichtenden Ausführung der RO800?
Bei der innendichtenden Variante dichtet die RO800 auf der Innenfläche des Gehäuses ab, bei der außendichtenden Variante auf der Außenfläche der Welle. Aus dichtungstechnischer Sicht ist die innendichtende Variante vorzuziehen, da sie bei gleichem Druckabfall eine stabilere Dichtkraft erzeugt. Welche Variante passt, hängt von der Bauform der Drehdurchführung ab.
- Welche Anforderungen gelten für die Gegenfläche der RO800?
Die Gleitfläche Ød1 muss auf Ra 0,1–0,3 µm (Rt max. 2,5 µm) drallfrei geschliffen sein. Eine Mindesthärte von 55–60 HRC ist erforderlich, um ein Einlaufen der Welle durch den abriebfesten Hythane-Werkstoff zu vermeiden. Drallschliff ist unzulässig, da er die Dichtung in Pumpenwirkung versetzt.
- Welche Medien verträgt die RO800 aus Hythane 181®?
Hythane 181® ist beständig in einer Vielzahl von Hydraulikflüssigkeiten auf Mineralölbasis sowie in Wasser und Kühlschmiermitteln bis +80°C Betriebstemperatur. Der Polyether-Aufbau macht den Werkstoff hydrolysebeständig, sodass auch wassergemischte Hydraulikmedien eingesetzt werden können. Für chemisch aggressive Sondermedien ist eine Beratung durch HENNLICH empfohlen.
- Kann die RO800 in geschlossene Nuten eingebaut werden, ohne die Baugruppe zu demontieren?
Ja. Die RO800 wurde speziell für die Montage in geschlossene Einbauräume entwickelt. Der einteilige Dichtkörper aus Hythane 181® ist ausreichend flexibel, um ohne Teilung der Baugruppe eingelegt zu werden. Montageschrägen am Einlauf nach den Vorgaben des Datenblatts erleichtern den Einbau und verhindern Beschädigungen.