Beschreibung
Virginales PTFE ist ungefülltes Polytetrafluorethylen ohne Füllstoffe wie Glasfasern, Kohlefaser oder Bronze. Das Material ist gegenüber nahezu allen Chemikalien inert — beständig im pH-Bereich 0 bis 14, gegen Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Oxidationsmittel und die meisten organischen Verbindungen. Ausnahmen sind geschmolzene Alkalimetalle und elementares Fluor.Der Temperatureinsatzbereich reicht von -200 °C bis +260 °C Dauertemperatur (kurzzeitig bis +310 °C). PTFE ist physiologisch unbedenklich und hält die Zulassungen FDA, EU-Verordnung 1935/2004 und USP Class VI. Diese Zulassungen machen virginal-PTFE-Flachdichtungen zur ersten Wahl, wenn Reinheit und Kontaminationsfreiheit gefordert sind — etwa in Abfüllanlagen, Reaktoren und Rohrleitungen für Pharmazeutika oder Lebensmittel.
Virginales PTFE hat eine ausgeprägte Kaltflussneigung (Kriechen unter Druckbelastung). Bei statischen Flanschverbindungen muss nach dem Erstanziehen der Schrauben ein Nachziehen im kalten Zustand erfolgen, um den Setzbetrag auszugleichen. Für Anwendungen mit hoher Flächenpressung oder Temperaturwechselbelastung sind gefüllte PTFE-Varianten (z. B. TF-Platten mit Mikro-Hohlglaskugeln oder Bariumsulfat) geeigneter, da diese einen deutlich reduzierten Kaltfluss zeigen.
Lieferbar als Flachdichtung nach DIN 2690 (DN 4 bis DN 3800) und EN 1514-1 (Form IBC und Form FF mit Schraubenlöchern für DIN EN 1092-1 Form A, PN 2,5 bis PN 40, DN 10 bis DN 2000). Ausführungen als Folie, Platte, Zuschnitt und fertige Dichtung sind verfügbar.
Merkmale
- WerkstoffVirginales PTFE (ungefüllt, ohne Füllstoffe)
- Spez. Gewicht2,15 g/cm³
- Temperaturbereich-200 °C bis +260 °C Dauerbetrieb, kurzzeitig bis +310 °C
- DruckbereichVakuum bis 200 bar
- Chemische BeständigkeitpH 0–14; beständig gegen nahezu alle Chemikalien; nicht einsetzbar: geschmolzene Alkalimetalle, elementares Fluor
- Reißfestigkeitca. 300 kg/cm²
- Reißdehnungca. 400 %
- ZulassungenFDA, EU-Verordnung 1935/2004, USP Class VI
- NormenDIN 2690 (DN 4–3800); EN 1514-1 Form IBC und Form FF (DN 10–2000, PN 2,5–PN 40)
- BesonderesKaltflussneigung beachten; Nachziehen der Schrauben nach Erstmontage erforderlich
Vorteile
- Beständig gegen nahezu alle Chemikalien (pH 0–14), einschließlich konzentrierter Säuren, Laugen und Lösungsmittel — kein Werkstoffwechsel bei Mediumwechsel erforderlich.
- Einsetzbar von -200 °C bis +260 °C Dauertemperatur — abdeckend für Tieftemperaturanwendungen (flüssige Gase) und hochtemperaturbeheizte Prozessleitungen.
- FDA-, EU 1935/2004- und USP-Class-VI-konform — direkt einsetzbar in Lebensmittel-, Pharma- und Reinraumapplikationen ohne zusätzliche Prüfung.
- Physiologisch unbedenklich und nicht brennbar — kein Risiko der Medienkontamination durch Dichtungsabrieb oder thermischen Abbau im Betriebsbereich.
- Witterungs-, alterungs- und UV-beständig — unbegrenzte Lagerfähigkeit unter trockenen, lichtgeschützten Bedingungen.
- Niedriger Reibungskoeffizient — erleichtert die Montage und verhindert Beschädigungen empfindlicher Dichtflächen (z. B. Emaille, Glas, Kunststoff).
Einsatzgebiete
- Chemische Prozessanlagen
- Flanschverbindungen an Reaktoren, Rohrleitungen und Armaturen, die Säuren, Laugen oder Lösungsmittel führen. PTFE ist gegenüber nahezu allen Prozesschemikalien im pH-Bereich 0–14 beständig.
- Pharmazeutische Produktion
- Flansche in Reinstwassersystemen, Fermentern und Abfüllanlagen, wo Reinheit nach FDA und USP Class VI vorgeschrieben ist und Kontamination des Produkts ausgeschlossen sein muss.
- Lebensmittel- und Getränkeindustrie
- Rohrverbindungen und Ventile in Abfüllanlagen und Mischsystemen, wo EU 1935/2004-Konformität gefordert ist und das Dichtungsmaterial in Kontakt mit Lebensmitteln kommt.
- Wärmetauscher und Apparatebau
- Flanschabdichtungen an Rohrbündel- und Plattenwärmetauschern, insbesondere bei aggressiven Wärmeträgern oder wenn emaillierte und Glasflansche abgedichtet werden müssen.
- Glas- und Emailflansche
- PTFE ist wegen seines niedrigen Reibungskoeffizienten und der Weichheit besonders geeignet, wenn empfindliche Flanschoberflächen aus Glas, Email oder Kunststoff nicht beschädigt werden dürfen.
- Tieftemperaturanlagen und Kryotechnik
- Flanschverbindungen in Anlagen für flüssige Gase (Stickstoff, Sauerstoff, LNG), da PTFE bis -200 °C elastisch bleibt und keine Versprödung zeigt.
- Pumpen- und Kompressorgehäuse
- Gehäuseabdichtungen bei Pumpen für chemisch aggressive Fördermedien, wo der Werkstoff direkt mit dem Fördermedium in Kontakt steht.
Do's and Dont's
Do's:- Dichtflächen vor Montage auf Sauberkeit und Beschädigungen prüfen
- Schrauben in mehreren Stufen kreuzweise anziehen
- Vor Erstinbetriebnahme Schrauben im kalten Zustand nachziehen
- Dichtungen kühl, trocken und lichtgeschützt lagern
- Bei Mediumwechsel die Eignung des PTFE für das neue Medium prüfen (Ausnahmen: geschmolzene Alkalimetalle, elementares Fluor)
- Nur konforme Dichtungen nach DIN 2690 oder EN 1514-1 für normkonforme Flanschverbindungen verwenden
- Keine Fette, Trennmittel oder Dichtmassen auf die Dichtung aufbringen
- Gebrauchte PTFE-Flachdichtungen nicht wiederverwenden
- Nicht mit geschmolzenen Alkalimetallen oder elementarem Fluor einsetzen
- PTFE-Dichtungen nicht im warmen/heißen Zustand stark nachziehen — Zerstörungsgefahr durch Überpressung der kriechenden Werkstoffstruktur
- Beschädigte oder verformte Flanschdichtflächen nicht mit dickerer Dichtung kompensieren — stattdessen Flansch instandsetzen
Montage
- Flanschdichtflächen vor der Montage auf Verunreinigungen, Riefen und mechanische Beschädigungen prüfen. Dichtflächen müssen sauber und trocken sein.
- Nur neue, unbeschädigte Dichtungen verwenden. Gebrauchte PTFE-Flachdichtungen nicht wiederverwenden.
- Dichtung zentrisch in die Flanschverbindung einlegen. Keine Fette, Trennmittel oder Dichtmassen auf die Dichtung oder die Dichtflächen aufbringen.
- Flansche parallel ausrichten. Seitlicher Versatz und nicht-parallele Flanschflächen führen zu ungleichmäßiger Flächenpressung und erhöhen das Leckagerisiko.
- Schrauben in mehreren Stufen über Kreuz anziehen (Kreuzmuster). Empfohlene Flächenpressung: 25–30 N/mm².
- Nach dem Erstanziehen und vor der Erstinbetriebnahme alle Schrauben erneut auf 100 % des Anzugsdrehmoments nachziehen, um den Setzbetrag des PTFE auszugleichen.
- Ein Nachziehen einer bereits auf Betriebstemperatur gebrachten PTFE-Dichtung darf nur im kalten Zustand und nur in mehreren kleinen Schritten erfolgen. Zu starkes Nachziehen im warmen oder heißen Zustand kann die Dichtung zerstören.
FAQ
- Was ist der Unterschied zwischen virginalem PTFE und gefüllten PTFE-Varianten für Flachdichtungen?
Virginales PTFE ist ungefülltes, reines Polytetrafluorethylen ohne Zusätze. Es hat die höchste chemische Beständigkeit (pH 0–14) und die breiteste Lebensmittel- und Pharmaeignung (FDA, USP Class VI). Die Schwäche ist die Kaltflussneigung unter Druckbelastung. Gefüllte PTFE-Typen (z. B. mit Glasfasern, Bariumsulfat oder Mikro-Hohlglaskugeln) haben einen deutlich reduzierten Kaltfluss und bessere Formstabilität bei höheren Flächenpressungen, verlieren aber je nach Füllstoff an chemischer Universalbeständigkeit.
- Bis zu welcher Temperatur sind virginal-PTFE-Flachdichtungen dauerhaft einsetzbar?
Der Dauerbetrieb ist bis +260 °C möglich. Kurzzeitig sind bis +310 °C erreichbar. Nach unten besteht keine Einschränkung bis -200 °C — PTFE verbleibt in diesem Bereich elastisch und versprödet nicht, was den Einsatz in Tieftemperaturanlagen und kryogenen Systemen ermöglicht.
- Warum leckt meine PTFE-Flachdichtung nach kurzer Betriebszeit?
Die häufigste Ursache ist Kaltfluss: Virginales PTFE kriecht unter Dauerdruck, der Setzbetrag nimmt zu und die Schraubenvorspannung sinkt. Abhilfe schafft ein Nachziehen der Schrauben im kalten Zustand vor der Erstinbetriebnahme und nach dem ersten Abkühlzyklus. Wenn Kaltfluss dauerhaft ein Problem ist, empfiehlt sich der Wechsel auf eine gefüllte PTFE-Dichtung mit reduziertem Kriechverhalten.
- Kann man PTFE-Flachdichtungen für Anwendungen mit Vakuum einsetzen?
Ja. PTFE-Flachdichtungen sind vakuumbeständig und für den Einsatz unter Vakuum bis hin zu Betriebsdrücken von 200 bar geeignet. Bei Vakuumanwendungen muss die Flächenpressung ausreichend hoch sein, damit die Dichtung auch ohne innenseitigen Mediendruck dichtend aufliegt.
- Dürfen PTFE-Flachdichtungen mit Fett oder Dichtmittel montiert werden?
Nein. Auf PTFE-Dichtungen und die zugehörigen Dichtflächen dürfen keine Fette, Trennmittel oder Dichtmassen aufgebracht werden. Diese Mittel verändern die Haftung und die Verteilung der Flächenpressung und können die Dichtwirkung beeinträchtigen. Flanschflächen müssen sauber und trocken sein.
- Für welche Medien ist virginales PTFE nicht geeignet?
Virginales PTFE ist gegenüber nahezu allen Chemikalien beständig. Nicht einsetzbar ist es bei geschmolzenen Alkalimetallen (z. B. Natrium, Kalium) und elementarem Fluor. Alle anderen Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Oxidationsmittel und organischen Verbindungen im pH-Bereich 0–14 sind im Rahmen der Temperaturgrenzen unproblematisch.