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Beschreibung

Kammprofildichtungen bestehen aus einem massiven Metallträger, in den beidseitig konzentrische Kämme mit einer Teilung von ca. 1 mm eingedreht sind. Beim Verpressen drückt sich der Weichstoff der Auflage in die Kammtäler, sodass die Kammspitzen vollständig bedeckt bleiben und kein metallischer Kontakt mit den Flanschflächen entsteht. Durch diesen dreiachsigen Spannungszustand im Auflagenwerkstoff ist die Standfestigkeit deutlich höher als bei einer reinen PTFE- oder Graphitflachdichtung.

Als Auflage stehen Graphit (98 % Reinheit, Temperaturbereich -200 °C bis +450 °C) und PTFE (Temperaturbereich -200 °C bis +230 °C) zur Verfügung. Die Auflagedicke beträgt standardmäßig 0,5 mm für Graphit und 0,35 mm für PTFE. Der metallische Träger wird aus Stahl (1.0038), Edelstahl (1.4301, 1.4571) oder weiteren Werkstoffen auf Anfrage gefertigt. Trägerdicken von 1 mm bis 10 mm sind lieferbar.

Kammprofildichtungen werden nach DIN EN 1514-6 und EN 12560-6 für metrische DIN-Flansche sowie nach ASME B16.21 für imperiale ANSI/ASME-Flansche gefertigt. Nenndurchmesser von DN 10 bis DN 3000 (und größer als Sonderfertigung) sowie Druckstufen PN 10 bis PN 400 bzw. ANSI Class 150 bis Class 2500 sind abgedeckt. Sonderabmessungen nach Zeichnung, einschließlich ovaler und rechteckiger Ausführungen, sind auf Anfrage möglich.

Die Kammprofildichtung mit Graphitauflage erfüllt die Anforderungen der TA-Luft (VDI 2440) und ist BAM- sowie DVGW-zertifiziert. Der Gesamtchloridgehalt des Graphits liegt unter 25 ppm, was den Einsatz an austenitischen Edelstahlflächen erlaubt. PTFE-Auflagen bieten vollständige chemische Beständigkeit gegen nahezu alle Medien, eignen sich aber nur bedingt für Temperaturen über 230 °C.

Merkmale

  • DichtungstypKammprofildichtung (Metall-Weichstoffdichtung)
  • TrägerwerkstoffStahl 1.0038, Edelstahl 1.4301, 1.4571 (weitere auf Anfrage)
  • AuflageGraphit (98 % Reinheit) oder PTFE
  • Temperaturbereich Graphit-200 °C bis +450 °C
  • Temperaturbereich PTFE-200 °C bis +230 °C
  • Druckbereichbis 200 bar (in Abhängigkeit von Einbau und Flächenpressung)
  • Auflagendicke Graphit0,5 mm
  • Auflagendicke PTFE0,35 mm (Norm: 0,5 mm nach EN 1514-6)
  • Trägerdicke1 mm bis 10 mm
  • Kammteilungca. 1,0 mm
  • Min. Flächenpressung (Einbau, Graphit)11 MPa (@ 40 bar, nach EN 13555)
  • Max. Flächenpressungbis 500 MPa (bei 20 °C)
  • NormenDIN EN 1514-6, EN 12560-6, ASME B16.21
  • Zulassungen (Graphit)TA-Luft, BAM, DVGW, Fire Safe
  • Chloridgehalt Graphit< 25 ppm
  • LieferbereichDN 10 bis DN 3000, PN 10 bis PN 400, ANSI Class 150 bis 2500

Vorteile

  • Zuverlässige Abdichtung auch bei unebenen oder geneigten Flanschflächen, weil der Weichstoff die Kammtäler vollständig füllt und Unebenheiten ausgleicht.
  • Sehr niedrige Mindestflächenpressung ab 11 MPa (Graphitauflage nach EN 13555) ermöglicht den Einsatz an weniger steifen Flanschen ohne überhöhte Schraubenkräfte.
  • Graphitauflage mit TA-Luft-Zulassung und einer spezifischen Leckrate unter 10⁻¹¹ mg/(s·m) erfüllt die strengsten Emissionsanforderungen nach VDI 2440.
  • Ausblas- und berstsicher durch die metallische Trägerkonstruktion, die Druckstöße und Druckwechsel aufnimmt.
  • Chloridgehalt des Graphits unter 25 ppm verhindert Spannungsrisskorrosion an austenitischen Edelstahlflächen (1.4301, 1.4571).
  • Regenerierbar: Ist der metallische Grundkörper unbeschädigt, kann die Dichtung gereinigt und mit neuer Auflage versehen werden.

Einsatzgebiete

Rohrleitungsflansche in der Prozessindustrie
Kammprofildichtungen dichten Rohrleitungsflansche nach DIN EN 1092-1 und ASME B16.5 in Chemie- und Petrochemieanlagen ab, wo Drücke bis 200 bar und Temperaturen bis +450 °C auftreten.
Wärmetauscher
In Rohrbündel-Wärmetauschern werden Kammprofildichtungen als Deckel- und Rohrbodendichtungen eingesetzt, weil sie thermischen Wechselbeanspruchungen standhalten und die TA-Luft-Anforderungen erfüllen.
Dampfleitungen und Dampfkessel
Bei Sattdampf- und Heißdampfsystemen in Kraftwerken und Industrie dichten Kammprofildichtungen mit Graphitauflage zuverlässig ab, da Graphit bis +650 °C im Dampfbereich beständig ist.
Armaturendeckel in Absperrventilen
Armaturendeckel an Schiebern und Absperrventilen in Raffinerien werden mit Kammprofildichtungen abgedichtet, um auch bei häufigem Öffnen und Schließen dicht zu bleiben.
Prozessbehälter und Reaktoren
Mannlochdeckel und Apparateflansche an Druckbehältern in der chemischen Industrie werden mit Kammprofildichtungen versehen, wenn aggressive Medien und hohe Drücke gleichzeitig auftreten.
Kraftwerke (konventionell und nuklear)
In konventionellen Kraftwerken sowie im Primärkreislauf von Kernkraftwerken werden kammprofilierte Dichtungen als Wärmetauscher-, Armaturendeckel- und Mannlochdeckeldichtungen eingesetzt.
Gas- und Dampfanlagen mit TA-Luft-Anforderungen
Für Flanschverbindungen in genehmigungspflichtigen Anlagen nach BImSchG erfüllt die Kammprofildichtung mit Graphitauflage die Leckageraten-Anforderungen der TA-Luft (VDI 2440).

Do's and Dont's

Do's:
  • Auflage und Trägerwerkstoff auf Medienverträglichkeit prüfen, bevor die Dichtung eingebaut wird.
  • Für gasförmige Medien oder große Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außendurchmesser einen losen Zentrierrand (Profil B15A oder B25A) wählen.
  • Für austenitische Flanschwerkstoffe (1.4301, 1.4571) ausschließlich Graphitauflage mit Chloridgehalt < 25 ppm oder PTFE-Auflage verwenden.
  • Dichtungen trocken, sauber und vor mechanischer Beschädigung geschützt lagern.
  • Anzugsmoment und Schraubenkraft gemäß Auslegungsrechnung nach EN 1591-1 oder ASME PCC-1 festlegen.
Don'ts:
  • Keine beschädigten Dichtungen (eingerissene Auflage, deformierter Träger) einbauen.
  • PTFE-Auflagen nicht dauerhaft über 230 °C betreiben, da PTFE ab dieser Temperatur zu Fließen und Setzen neigt.
  • Flanschflächen mit Riefen über der empfohlenen Rautiefe nicht ohne Nachbearbeitung einbauen.
  • Kammprofildichtungen nicht mit scharfen Werkzeugen handhaben, die die Auflage einschneiden oder das Kammprofil beschädigen können.
  • PTFE-Dichtungen in Systemen mit elektrostatischer Aufladungsgefahr nicht ohne Erdungsmaßnahmen einsetzen, da PTFE elektrisch isoliert.

Montage

  1. Flanschflächen vor der Montage auf Sauberkeit, Riefen und Beschädigungen prüfen. Empfohlene maximale Rautiefe Rz: 25–50 µm (je nach Profil und Werkstoff).
  2. Alte Dichtungsreste und Ablagerungen vollständig entfernen, da Rückstände die Dichtwirkung beeinträchtigen und den Flansch beschädigen können.
  3. Kammprofildichtung auf Beschädigungen der Auflage und des Trägerprofils prüfen. Beschädigte Dichtungen nicht einbauen.
  4. Dichtung über den Zentrierrand oder die Schraubenbohrungen zentrieren, damit sie beim Verpressen nicht verrutscht.
  5. Schrauben handfest anziehen, anschließend kreuzweise in mehreren Schritten (mindestens drei Anzugsstufen) auf das vorgeschriebene Anzugsmoment festziehen. Einseitiges Verpressen führt zu ungleichmäßiger Flächenpressung und Leckage.
  6. Bei Betrieb unter thermischer Wechselbeanspruchung Schraubenanzug nach dem ersten Aufheizzyklus kontrollieren und bei Bedarf nachziehen.
  7. Dichtung nach Ausbau nur dann wiederverwenden, wenn der Metallkern unbeschädigt ist und die Auflage erneuert wurde.

FAQ

Welche Auflage soll ich wählen: Graphit oder PTFE?

Graphitauflage ist bis +450 °C einsetzbar, erfüllt die TA-Luft-Anforderungen und ist BAM- sowie DVGW-zertifiziert. PTFE bietet vollständige chemische Beständigkeit gegen nahezu alle Medien, ist aber nur bis +230 °C dauerhaft geeignet. Für aggressive Säuren und Laugen bei mäßigen Temperaturen ist PTFE vorzuziehen; für Hochtemperatur-, Dampf- und Gas-Anwendungen ist Graphit die richtige Wahl.

Bis zu welchem Druck sind Kammprofildichtungen einsetzbar?

In Abhängigkeit vom Einbau, der Flächenpressung und dem Trägerwerkstoff sind Kammprofildichtungen bis 200 bar einsetzbar. Die Mindestflächenpressung beim Einbau beträgt für Graphitauflage 11 MPa (nach EN 13555 bei 40 bar Innendruck). Für höhere Drücke sind Auslegungsrechnungen nach EN 1591-1 oder ASME PCC-1 erforderlich.

Kann eine Kammprofildichtung wiederverwendet werden?

Ja, wenn der metallische Grundkörper nach dem Ausbau unbeschädigt ist. In diesem Fall kann die Dichtung gereinigt und mit einer neuen Weichstoffauflage versehen werden. Ist das Kammprofil verformt oder der Träger gerissen, muss die Dichtung ersetzt werden.

Welchen Trägerwerkstoff soll ich für austenitische Edelstahlflansche wählen?

Für Flansche aus austenitischem Stahl (1.4301, 1.4571) wird ein Träger aus gleichwertigem oder kompatiblem Werkstoff empfohlen. Die Auflage muss chloridarm sein (Graphit < 25 ppm Chlorid) oder aus PTFE bestehen, um Spannungsrisskorrosion an den Flanschflächen zu vermeiden.

Welches Profil ist für glatte Flansche geeignet?

Für glatte Flansche und Flansche mit Dichtleiste ist ein Profil mit angedrehtem Zentrierrand (z. B. Profil B9A nach EN 1514-6) zu wählen. Bei gasförmigen Medien oder großen Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außendurchmesser empfiehlt sich ein loser Zentrierrand (Profil B15A), da dieser thermische Dehnungen besser aufnimmt.

Warum leckt meine Kammprofildichtung trotz korrektem Anzugsmoment?

Ursachen sind häufig zu raue Flanschflächen (Rautiefe Rz über dem empfohlenen Grenzwert), eine beschädigte Auflage, Flanschverzug durch ungleichmäßiges Anziehen der Schrauben oder zu große Flanschneigung. Flanschflächen auf Riefen und Verunreinigungen prüfen und Schrauben kreuzweise in mindestens drei Stufen anziehen.