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Beschreibung
K730 ist ein mehrteiliger Kolbendichtsatz für einteilige Kolben in doppelt- und einfachwirkenden Hydraulikzylindern. Der Dichtsatz besteht aus vier Komponenten: einem hochverschleißfesten TPE-Gleitflächendichtring (Polyester-Elastomer, Shore 55D), einem profilierten NBR-Vorspannelement sowie zwei beidseitig angeordneten Acetal-Backringen (POM). Das NBR-Element erzeugt die notwendige radiale Vorspannkraft; der TPE-Dichtring übernimmt die dynamische Dichtwirkung an der Zylinderbohrung.Der zulässige Systemdruck hängt von Betriebstemperatur und Gleitgeschwindigkeit ab: Bei 0 °C bis +60 °C sind bis 1.200 bar statisch, bis 700 bar bei 0,15 m/s und bis 315 bar bei 0,5 m/s erreichbar. Im erweiterten Temperaturbereich von -30 °C bis +100 °C reduzieren sich die Werte auf 800 bar statisch, 500 bar bei 0,15 m/s und 250 bar bei 0,5 m/s. Geeignete Medien sind Hydraulikflüssigkeiten auf Mineralölbasis sowie HFA-Flüssigkeiten bis max. +70 °C.
Die POM-Backringe begrenzen die Spaltextrusion des TPE-Dichtrings. Der maximal zulässige Dichtspalt F beträgt 1,0 mm bei 160 bar und verringert sich auf 0,5 mm bei 1.200 bar. Die Gleitfläche der Zylinderbohrung (Ø D1) muss Ra 0,1–0,4 µm und Rt max. 4 µm aufweisen; gehonte oder rollierte Rohre sind empfohlen.
Merkmale
- Dichtsatz-TypDoppeltwirkende Kolbendichtung, mehrteilig (4 Komponenten)
- GleitflächendichtringTPE/44 Polyester-Elastomer, Shore 55D, hydrolysestabilisiert
- VorspannelementProfilierter NBR-Ring
- BackringePOM (Acetal), beidseitig, 2 Stück
- Temperaturbereich-30 °C bis +100 °C (Mineralöl); kurzfristig -56 °C bis +140 °C (TPE)
- Max. Systemdruck (statisch)1.200 bar (0 °C bis +60 °C); 800 bar (-30 °C bis +100 °C)
- Max. Systemdruck bei 0,5 m/s315 bar (0 °C bis +60 °C); 250 bar (-30 °C bis +100 °C)
- Max. Systemdruck bei 0,15 m/s700 bar (0 °C bis +60 °C); 500 bar (-30 °C bis +100 °C)
- Geeignete MedienMineralölbasis (HH, HL, HM, HV, HG nach ISO 6743-4); HFA bis max. +70 °C
- Max. Dichtspalt F1,0 mm (160 bar); 0,8 mm (250 bar); 0,6 mm (400 bar); 0,5 mm (1.200 bar)
- Toleranz Zylinderbohrung Ø D1H10
- Toleranz Kolben Ø d1h9
- Toleranz Nutlänge L1+0,2 / -0 mm
- Gleitfläche Ra (Ø D1)0,1–0,4 µm
- Gleitfläche Rt (Ø D1)max. 4 µm
- Statische Fläche Ra (Ø d1)max. 1,6 µm
- Lieferumfang Ø D150 mm bis 500 mm (ca. 50 Standardabmessungen ab Lager)
Vorteile
- Druckfest bis 1.200 bar statisch durch POM-Backringe, die Spaltextrusion des TPE-Dichtrings verhindern.
- Einsetzbar auf fein- und rauhoberflächen durch den TPE-Werkstoff (Shore 55D), der ausgezeichnete Verschleißfestigkeit auch bei Ra bis 0,4 µm Oberflächenrauheit der Gleitfläche zeigt.
- Kolben bleibt leckagedicht unter Druck, weil das NBR-Vorspannelement kontinuierliche Radialkraft auf den TPE-Dichtring aufbringt.
- Gute Spaltüberbrückung durch kräftig dimensionierte POM-Backringe, die auch bei Mittenversatz und Rohraufweitung wirksam bleiben.
- Unempfindlich gegen Schmutzpartikel durch die Shore-55D-Härte des TPE-Dichtrings, die Einbettung harter Fremdkörper begrenzt.
- Breite Temperaturabdeckung: dauerhafter Einsatz von -30 °C bis +100 °C mit Mineralöl; kurzfristig toleriert TPE/44 bis -56 °C ohne Sprödbruch.
Einsatzgebiete
- Hydraulikpressen und Schmiedepressen
- K730 ist in Hydraulikzylindern von Pressen einsetzbar, die statische Drücke bis 1.200 bar und Druckspitzen erfordern. Die POM-Backringe verhindern Spaltextrusion auch bei großen Spaltmassen.
- Hydraulikzylinder in Baumaschinen und Erdbewegungsgeräten
- Hydraulikbagger, Radlader und Planierraupen arbeiten mit stark schwankenden Drücken und Schmutzbelastung. K730 bleibt unempfindlich gegen Schmutzpartikel und eignet sich für gehonte Zylinderrohre.
- Stationäre Industriezylinder in Stahlwerken und Walzanlagen
- Hochbelastete Zylinder in Stahlwerken mit Druckspitzen über 400 bar profitieren von der Spaltüberbrückung und Verschleißfestigkeit des TPE-Dichtrings.
- Forstmaschinen und Holzbearbeitungsanlagen
- Säge- und Spaltmaschinen mit ölhydraulischen Zylindern nutzen K730 wegen der langen Standzeit bei wechselnden Drücken und mechanischen Erschütterungen.
- Bergbau-Stempelzylinder (Variante "S")
- Die Ausführung K730-S mit erhöhter Vorspannung ist für Stempelzylinder im Untertage-Bergbau konzipiert, wo Leckagedichte bei niedrigen Gleitgeschwindigkeiten gefordert ist.
- Kunststoff-Spritzgießmaschinen und Extruder
- Schließzylinder und Einspritzeinheiten arbeiten mit hohen statischen Drücken bis 1.200 bar; K730 deckt diesen Druckbereich bei üblichen Öltemperaturen von 40–60 °C ab.
- Hydraulische Hebezeuge und Kipperhydraulik
- Einfachwirkende Zylinder in Kippern und Hubarbeitsbühnen können mit K730 abgedichtet werden; die Dichtung ist für einfach- und doppeltwirkende Zylinder geeignet.
Do's and Dont's
Do's:- Zylinderbohrung (Ø D1) gehont oder rolliert ausführen, Ra 0,1–0,4 µm und Rt max. 4 µm einhalten.
- Maximalen Dichtspalt F je nach Betriebsdruck einhalten: 1,0 mm bei 160 bar, 0,5 mm bei 1.200 bar.
- Lauffläche unmittelbar vor dem Einbau ins Zylinderrohr vollflächig mit kompatiblem Fett (z.B. HZ103) einschmieren.
- Zylinder nach Montage vollständig entlüften.
- Dichtungen bis zur Montage in der Originalverpackung, kühl, trocken und lichtgeschützt lagern.
- Bei langen Dichtungen (axiale Nutlänge > 16 mm) oder kleinen Einlaufschrägen eine Montagehülse (7°–10° Fase) verwenden.
Don'ts:
- Nicht für schwerentflammbare Flüssigkeiten auf Phosphorsäureester-Basis (HFDR) einsetzen: TPE und NBR sind dafür nicht geeignet.
- HFA-Flüssigkeiten nur bis max. +70 °C verwenden; oberhalb dieser Grenze Werkstoffverträglichkeit prüfen.
- Keine spitzen oder scharfkantigen Montagewerkzeuge verwenden; der TPE-Dichtring darf nicht über Gewinde oder Kanten gezogen werden.
- Kontaktfläche zwischen NBR-Vorspannelement und TPE-Dichtring nicht fetten.
- Dichtung nicht unter Druck über Bohrungen oder Spalte gleiten lassen.
Montage
K730 ist ausschließlich für einteilige Kolben vorgesehen. Zylinderbohrung, Kolbennut und alle Montagewege vor der Montage von Spänen, Schmutz und Metallpartikeln reinigen; alle Kanten und Radien an Gleitflächen müssen gratfrei und verrundet sein.- NBR-Vorspannelement über den Kolben knöpfen und mittig in die Nut einlegen.
- Unteren Acetal-Backring auf der montageabgewandten Seite einsetzen. Er dient gleichzeitig als Positionierhilfe für den TPE-Dichtring.
- TPE-Dichtring mit einem Kunststoff-Montageband durch kreisförmige Bewegungen auf das NBR-Vorspannelement aufziehen und bündig an den Backring heranführen. Kein Aufweiten des Dichtrings mit spitzen Werkzeugen.
- Darauf achten, dass die Kontaktfläche zwischen NBR-Vorspannelement und TPE-Dichtring fettfrei bleibt.
- Zweiten Acetal-Backring einschnappen lassen.
- Lauffläche des montierten K730 unmittelbar vor dem Einschiebn in das Zylinderrohr vollflächig einfetten (empfohlen: HENNLICH Dichtungsfett HZ103).
- Bei Einbauschrägen unter 7° am Rohreinlauf oder bei axialer Nutlänge über 16 mm: Montagehülse mit 7°–10° Fase verwenden, damit der TPE-Dichtring beim Einfahren nicht konisch aufgespreizt wird und der äußere Backring nicht unter den Dichtring gleitet.
Nach der Montage Zylinder sorgfältig entlüften, um Dieseleffekt und Kavitation an den Dichtungen zu vermeiden.
FAQ
- Wie hoch ist der maximale Betriebsdruck von K730?
Im statischen Betrieb bei 0 °C bis +60 °C toleriert K730 bis zu 1.200 bar. Bei einer Gleitgeschwindigkeit von 0,5 m/s und demselben Temperaturbereich reduziert sich der zulässige Druck auf 315 bar. Im erweiterten Temperaturbereich von -30 °C bis +100 °C sind 800 bar statisch und 250 bar bei 0,5 m/s erreichbar.
- Für welche Hydraulikmedien ist K730 geeignet?
K730 ist für Hydraulikflüssigkeiten auf Mineralölbasis (Typen HH, HL, HM, HV, HG nach ISO 6743-4) im Bereich -30 °C bis +100 °C ausgelegt. HFA-Flüssigkeiten (Öl-in-Wasser-Emulsionen) sind bis max. +70 °C zulässig. Nicht einsetzbar ist K730 bei schwerentflammbaren Phosphorsäureester-Flüssigkeiten (HFDR), da weder TPE noch NBR für dieses Medium geeignet sind.
- Welche Oberflächengüte muss die Zylinderbohrung haben?
Die Gleitfläche der Zylinderbohrung (Ø D1) muss Ra 0,1–0,4 µm und Rt max. 4 µm aufweisen. Unter Ra 0,1 µm wird der Schmierfilmaufbau behindert, was zu Trockenlauf und vorzeitigem Verschleiß führt. Gehonte oder rollierte Rohre erfüllen diese Anforderung; gezogene Rohre (DOM) genügen in der Regel nicht.
- Was unterscheidet die K730-S-Variante von der Standard-Ausführung?
Die mit "S" gekennzeichneten Ausführungen werden mit erhöhter Vorspannung des NBR-Elements gefertigt. Sie sind speziell als Stempeldichtungen für den Untertage-Bergbau konzipiert und daher nur für niedrige Gleitgeschwindigkeiten geeignet. Für höhere Gleitgeschwindigkeiten ist die Standard-Ausführung oder eine Anpassung des Anpressringes erforderlich.
- Warum darf die Fläche zwischen NBR-Vorspannelement und TPE-Dichtring nicht gefettet werden?
Ein Schmiermittel zwischen diesen beiden Komponenten würde die Reibungskräfte an der Kontaktfläche verringern und die axiale Positionsstabilität des TPE-Dichtrings in der Nut gefährden. Das NBR-Element muss den TPE-Ring sicher radial vorspannen, ohne dass er sich unter Druck axial verschiebt. Nur die äußere Lauffläche des TPE-Dichtrings, die im Zylinderrohr gleitet, wird vor dem Einbau eingefettet.
- Welche Montagehilfsmittel werden für große K730-Abmessungen empfohlen?
Bei axialer Nutlänge über 16 mm oder bei kleinen Einlaufschrägen am Zylinderrohr empfiehlt sich eine Montagehülse aus Kunststoff mit einer Fase von 7°–10°. Sie verhindert, dass der TPE-Dichtring beim Einfahren in das Rohr konisch aufgespreizt wird und der äußere POM-Backring unter den Dichtring gleitet, was zu Montagefehlern und frühzeitiger Leckage führen würde.