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Beschreibung
Die Bauform BO nach DIN 3760 kombiniert die federlose Konstruktion der AO-Reihe mit einem metallischen Außendurchmesser. Ohne Spannfeder eignet sich der Dichtring besonders für Nadellager und fettgeschmierte Lagerstellen, wo eine sehr geringe axiale Bauhöhe gefordert ist. Der Einsatz bleibt auf drucklose Applikationen beschränkt; in Ausnahmefällen sind bis zu 0,5 bar bei maximal 2,8 m/s zulässig.Das metallische Außengehäuse erfordert eine präzisere Bearbeitung der Aufnahmebohrung (Toleranz H8, Ra max. 3,2 µm) als gummierte Typen. Es ermöglicht dafür eine exaktere axiale Einbaulage, was den Dichtring für Rücken-an-Rücken-Anordnungen mehrerer WDR oder enge Bauraumsituationen geeignet macht.
Standardwerkstoffe für die Dichtlippe sind NBR mit einem Temperaturbereich von -40 °C bis +100 °C und einer maximalen Wellengleitgeschwindigkeit von 12 m/s sowie FPM (Viton) mit -30 °C bis +170 °C und bis zu 35 m/s. Weitere Werkstoffe wie Silikon, EPDM oder HNBR sind auf Anfrage erhältlich.
Die Welle muss im Dichtungsbereich drallfreie Oberfläche aufweisen, Toleranz h11, Rauheit Rt 1-4 µm (Ra 0,2-0,4 µm). Die Wellenhärte beträgt mindestens 45 HRC; bei stärkerem Schmutzanfall oder Gleitgeschwindigkeiten über 4 m/s sind 55-60 HRC erforderlich.
Merkmale
- NormDIN 3760, Form BO
- BauformFederlos (ohne Spannfeder), metallisches Außengehäuse
- Standardwerkstoffe DichtlippeNBR, FPM (Viton); weitere Werkstoffe auf Anfrage
- Temperaturbereich NBR-40 °C bis +100 °C
- Temperaturbereich FPM-30 °C bis +170 °C
- Max. Wellengleitgeschwindigkeit NBR12 m/s
- Max. Wellengleitgeschwindigkeit FPM35 m/s
- Betriebsdruckdrucklos; max. 0,5 bar bis 2,8 m/s (Ausnahme)
- Wellentoleranzenh11; Rauheit Rt 1-4 µm (Ra 0,2-0,4 µm), drallfreie Bearbeitung
- Wellenhärtemin. 45 HRC (bei Schmutz oder v > 4 m/s: 55-60 HRC)
- AufnahmebohrungToleranz H8; Rt max. 16 µm (Ra max. 3,2 µm)
- GehäusewerkstoffUnlegierter Stahl DIN EN 10139 (SAE 1008); weitere auf Anfrage
Vorteile
- Sehr geringe axiale Bauhöhe durch federlose Konstruktion, geeignet für beengte Einbausituationen und Nadellager.
- Metallisches Außengehäuse ermöglicht exaktere axiale Einbaulage als gummierte Typen, was Rücken-an-Rücken-Anordnungen mehrerer WDR erleichtert.
- Das Einpressen ist durch das glatte Metallgehäuse gegenüber gummierten Formen etwas erleichtert.
- FPM-Ausführung hält dauerhaft bis +170 °C und deckt Anwendungen ab, bei denen NBR an seine thermischen Grenzen stößt.
- Wellenhärte min. 45 HRC gefordert, damit die Dichtlippe keinen vorzeitigen Wellenverschleiß verursacht und die Laufzeit der Lagerstelle maximiert wird.
Einsatzgebiete
- Nadellager-Einbausituationen
- Form BO ist auf die Abdichtung von Nadellagern abgestimmt, wo sehr geringe axiale Bauhöhe gefordert ist und eine Spannfeder konstruktiv nicht untergebracht werden kann.
- Fettgeschmierte Lagerstellen
- Ohne Spannfeder geeignet für fettgeschmierte Wellenlager in Maschinen und Geräten, bei denen der Schmierstoff gegen Austritt und Staub gegen Eindringen abgedichtet werden muss.
- Getriebe und Reduktionsgetriebe
- Abdichtung von Abtriebswellen gegen Getriebeölaustritt bei geringem Bauraum; Dichtlippe kann zum Medium (innen) oder als Staubschutz (außen) ausgerichtet werden.
- Elektromotoren und Lüfterantriebe
- Einsatz an Motorwellen zur Abdichtung von Lagerfett gegen Motorenwicklungen, wo axiale Platzverhältnisse eine federlose Ausführung erfordern.
- Landmaschinen und Anbaugeräte
- Abdichtung von Zapfwellen und Gelenken gegenüber Staub und Schmutz, bei Außeneinsatz bevorzugt in FPM für erweiterten Temperaturbereich und chemische Beständigkeit.
- Kompakte Wälzlagereinheiten
- In Wälzlagergehäusen, die konstruktiv keine standardmäßige WDR-Feder erlauben, sichert Form BO den Schmierstoffeinschluss bei minimaler Bauhöhe.
- Rücken-an-Rücken-Dichtungsanordnungen
- Das metallische Außengehäuse erlaubt eine exakte axiale Positionierung, wenn zwei WDR hintereinander oder Rücken an Rücken montiert werden müssen.
Do's and Dont's
Do's:- Wellenhärte vor Einbau prüfen: min. 45 HRC, bei v > 4 m/s oder starkem Schmutzanfall min. 55-60 HRC.
- Wellenoberfläche im Dichtbereich drallfreie schleifen oder glattwalzen.
- Dichtring bis zur Montage in licht- und UV-geschützter Originalverpackung belassen (Lagerung gemäß DIN 7716).
- Lagertemperatur max. +25 °C, trocken und ozongeschützt (keine Elektromotoren in unmittelbarer Nähe des Lagers).
- Bei NBR: Lagerzeit max. 7 Jahre (erste Periode); bei FPM: max. 10 Jahre.
- Dichtring vor Einbau auf Haarrisse, Verhärtung und Verformung prüfen.
- Nicht einschlagen, nur einpressen, stets senkrecht zur Wellenachse.
- Nicht mit scharfen Werkzeugen oder Schraubenziehern montieren, die Dichtlippe beschädigen könnten.
- Kein Kontakt der Dichtung mit Lösungsmitteln, PVC oder Kupferverbindungen während Lagerung und Montage.
- Form BO nicht für Anwendungen mit Betriebsüberdruck über 0,5 bar einsetzen; hier druckbelastbare Typen (z. B. AS-P) verwenden.
- NBR-Ausführung nicht in Medien mit Säuren oder Lösungsmitteln einsetzen; FPM wählen oder Verträglichkeit prüfen.
Montage
- Aufnahmebohrung und Welle auf Sauberkeit, Beschädigungen und Maßhaltigkeit prüfen (Bohrung H8, Rt max. 16 µm; Welle h11, Rt 1-4 µm).
- Welle muss im Dichtungsbereich drallfreie Oberfläche aufweisen (geschliffen oder glattgewalzt); Drallrillen führen zu Pumpwirkung und Leckage.
- Einbaufasen an Welle und Gehäuse müssen gerundet und ausreichend groß sein (siehe Tab. 5 und 7 in DIN 3760).
- Dichtlippe vor Montage leicht mit kompatiblem Schmiermittel (z. B. HENNLICH Einbaufett HZ 103) benetzen; kein Fett am Außendurchmesser.
- WDR senkrecht zur Wellenachse einpressen, nicht einschlagen. Ein Verkanten erzeugt Pumpwirkung und Leckage.
- Nach Montage Sitz des Dichtrings und Lage der Dichtlippe kontrollieren; keine Schrägstellung zulässig.
FAQ
- Was ist der Unterschied zwischen Form BO und Form B?
Form B hat eine Spannfeder, die die Dichtlippe radial gegen die Welle presst. Form BO verzichtet auf diese Feder und ist dadurch axial deutlich kleiner. Dadurch eignet sich BO für beengte Einbausituationen wie Nadellager oder kompakte Getriebegehäuse, wo kein Platz für eine Feder besteht.
- Was ist der Unterschied zwischen Form AO und Form BO?
Beide Formen sind federlos. Form AO hat einen gummierten Außenmantel, der kleinere Rauheitsfehler in der Gehäusebohrung ausgleicht. Form BO hat einen Metallring am Außendurchmesser, der eine genauere Bohrungsbearbeitung erfordert (H8), dafür aber eine exaktere axiale Einbaulage und ein etwas erleichteres Einpressen ermöglicht.
- Für welche Medien ist Form BO in NBR geeignet?
NBR ist beständig gegen Mineralöle, Getriebeöle, aliphatische Kohlenwasserstoffe und Fette. Nicht geeignet ist NBR für Säuren, Lösungsmittel und aromatische Kohlenwasserstoffe. Für aggressive Medien oder höhere Temperaturen über +100 °C ist die FPM-Ausführung zu wählen.
- Bis zu welcher Temperatur ist die FPM-Ausführung dauerhaft einsetzbar?
FPM (Viton) ist dauerhaft bis +170 °C einsetzbar bei einer maximalen Wellengleitgeschwindigkeit von 35 m/s. Der Kältebereich beginnt bei -30 °C; unterhalb dieser Temperatur verliert FPM an Elastizität. Für Tieftemperaturanwendungen unter -30 °C sind andere Werkstoffe wie EPDM oder Silikon auf Anfrage erhältlich.
- Warum muss die Welle im Dichtbereich drallfreie Oberfläche haben?
Drallrillen entstehen beim Drehen und wirken wie eine Förderschnecke. Sie transportieren das Dichtmedium entlang der Welle nach außen (Pumpeffekt) und führen zu Leckage, auch wenn die Dichtlippe korrekt anliegt. Die Welle muss deshalb im Bereich der Dichtlippe geschliffen oder glattgewalzt werden, Rauheit Rt 1-4 µm (Ra 0,2-0,4 µm).
- Kann Form BO bei Überdruck eingesetzt werden?
Form BO ist für drucklose Anwendungen ausgelegt. In Ausnahmefällen ist ein Druck von maximal 0,5 bar bis zu einer Wellengleitgeschwindigkeit von 2,8 m/s zulässig. Für höhere Drücke ist die druckbelastbare Bauform AS-P oder eine andere geeignete Konstruktion zu wählen.