Beschreibung
Der R50G ist die geteilte Ausführung des CARCOSEAL R50 (UN/SPLIT). Die Dichtung wird in zwei Hälften geliefert: Die Feder lässt sich aufschrauben, die Hälften werden um die Welle gelegt und die Feder wieder verschraubt. Ein Ausbau der Welle entfällt vollständig, was Stillstandzeiten erheblich verkürzt.Der Dichtungsrücken besteht aus einem doppelt gerollten Gummi-Gewebeverbund ohne offene Faserenden. Dieser ersetzt ein Metallgehäuse und schützt vor aggressiven Medien. Die Dichtlippe liegt flach auf der Welle auf und erzeugt durch den Meniskus-Effekt einen tragenden Schmierfilm, der Welleneinlaufen verhindert.
Die Dichtlippe ist standardmäßig mit Carcoflon beschichtet. Diese Elastomer-PTFE-Mischung reduziert die Reibung um ca. 25 % gegenüber Standard-Gummi, verhindert den Stick-Slip-Effekt und schützt die Dichtlippe bei kurzzeitigem Trockenlauf oder Mangelschmierung.
Für drucklosen Betrieb bis 0,5 bar ausgelegt (1,5 bar bei niedriger Drehzahl). Wellendurchmesser-Toleranz h11, Gehäusebohrung H9. Die Stoßstellen der Teilfuge bestehen aus reinem Gummi, sodass auch an der Trennstelle eine leckagefreie Dichtfläche entsteht.
Merkmale
- BauartGeteilter Radialwellendichtring (SPLIT-Ausführung), drucklos
- ProfilR50G / CARCOSEAL/UN/SPLIT
- WerkstoffeNBR-PTFE/Gewebe, H-NBR/Gewebe oder FPM(Viton)/Gewebe
- TemperaturbereichNBR: −40 °C bis +120 °C; H-NBR: −40 °C bis +170 °C; FPM: −20 °C bis +200 °C
- Max. UmfangsgeschwindigkeitNBR: 15 m/s (20 m/s kein Dauerbetrieb); H-NBR/FPM: 25 m/s
- Max. Betriebsdruck0,5 bar (statisch); bis 1,5 bar bei niedriger Drehzahl
- DichtlippenbeschichtungCarcoflon (Elastomer-PTFE-Mischung), Standard
- FederEdelstahl AISI 302, verschraubbar (geteilte Ausführung)
- Wellendurchmesserab 50 mm (unter 100 mm nur in Ausnahmefällen)
- Toleranz Wellendurchmesserh11
- Toleranz GehäusebohrungH9
- StoßstellenReingummi für leckagefreien Betrieb an der Teilfuge
Vorteile
- Dichtungswechsel ohne Wellenausbau: Die geteilte Ausführung mit verschraubbarer Feder verkürzt die Stillstandzeit auf ein Minimum.
- Leckagefreie Teilfuge: Die Stoßstellen sind aus reinem Gummi gefertigt, sodass auch an der Trennstelle keine Undichtheit entsteht.
- Carcoflon-Dichtlippe: Die Elastomer-PTFE-Mischung reduziert die Reibung um ca. 25 % gegenüber Standard-Gummi und verhindert den Stick-Slip-Effekt.
- Kein Metallgehäuse: Der Gummi-Geweberücken ist wiederverwendbar und beschädigt die Gehäusebohrung bei Montage und Demontage nicht.
- Drei Werkstoffvarianten abdecken Temperaturen von −40 °C bis +200 °C, geeignet für Mineralöle, Wasser, Fette und weitere Betriebsmedien.
- Schutz bei Mangelschmierung: Die Carcoflon-Beschichtung hält kurzzeitigen Trockenlauf aus, ohne die Dichtlippe dauerhaft zu beschädigen.
Einsatzgebiete
- Wasserkraft und Turbinenbau
- Abdichtung von Turbinenwellen, Leitapparaten und Kugelhahnwellen, wo ein Ausbau der Welle für den Dichtwechsel nicht möglich oder wirtschaftlich ist.
- Zement- und Zuckerindustrie
- Einsatz an Förderanlagen und Mischerwellen in staubbelasteter Umgebung; der Gummi-Geweberücken widersteht abrasiven Partikeln im Medium.
- Schlammpumpen und Rührwerke
- Abdichtung rotierender Wellen in Pumpen und Rührwerken, bei denen hohe Exzentrizität und Schmutzbelastung auftreten.
- Schiffbau und Meerestechnik
- Ruderanlagen, Stabilisatoren und Querstrahlruder, wo Wartungsarbeiten unter beengten Verhältnissen stattfinden und Wellenzug nicht praktikabel ist.
- Papierindustrie und Walzwerke
- Abdichtung von Walzenlagerabdichtungen und Förderwellen; NBR- und H-NBR-Varianten für Öle und Emulsionen, FPM für erhöhte Betriebstemperaturen.
- Windkraftanlagen
- Abdichtung von Antriebswellen und Getrieben, wo die SPLIT-Ausführung die Wartung in schwer zugänglichen Gondeln vereinfacht.
- Sondermaschinenbau und Reparaturbetriebe
- Überall dort, wo bestehende Maschinen im Feld abgedichtet werden müssen, ohne die Anlage vollständig zu zerlegen.
Do's and Dont's
Do's:- Dichtlippe vor der Montage mit HENNLICH-Fett HZ 103 einölen
- Dichtring von Hand walken, bis die Feder gleichmäßig spannt
- Teilfuge in der 12-Uhr-Position (oben) einbauen
- Federhälften nach dem Verschrauben gegensinnig verdrehen
- Lauffläche auf drallfreien Schliff und Rauheit Ra 0,2–0,8 µm prüfen
- Oberflächenhärte der Welle: 45–60 HRC, Einhärttiefe mindestens 0,5 mm
- Kein Fett auf den Außendurchmesser der Dichtung auftragen
- Teilfuge nicht verkleben
- Nicht für Druckbetrieb über 0,5 bar einsetzen (bei erhöhtem Druck R70 verwenden)
- Keine scharfen Werkzeuge bei der Montage verwenden, die die Dichtlippe beschädigen
- Nicht bei hartverchromten Oberflächen mit unzureichender Schichtdicke einsetzen (abplatzende Chrompartikel beschädigen die Dichtlippe)
Montage
- Aufnahmebohrung auf Sauberkeit, Freiheit von Graten und Beschädigungen prüfen. Kein Fett auf den Außendurchmesser der Dichtung aufbringen.
- Geteilte Feder aufschrauben und beide Hälften separat um die Welle legen.
- Feder wieder verschrauben. Vor dem endgültigen Anzug die Federhälften gegensinnig verdrehen, damit sich die Verbindung im Betrieb nicht löst.
- Teilfuge oben positionieren. Die Teilfuge darf nicht verklebt werden.
- Dichtlippe mit HENNLICH-Spezialfett HZ 103 einfetten. Dichtring von Hand walken, um eine gleichmäßige Federspannkraft sicherzustellen.
- Sitz von Dichtring und Feder nach der Montage prüfen. Lippe nochmals nachfetten, um das Einlaufen zu erleichtern.
- Dichtring muss gerade in der Nut sitzen, keine Schrägstellung.
Einbauschräge an der Welle sicherstellen. Ohne Einbauschräge Montagehülse mit gut gerundetem Übergang verwenden. Wellendurchmesser-Toleranz h11, Gehäusebohrung H9.
FAQ
- Welche Werkstoffe sind für den CARCOSEAL R50G verfügbar und wann wähle ich welchen?
Der R50G ist in NBR-PTFE/Gewebe (−40 °C bis +120 °C), H-NBR/Gewebe (−40 °C bis +170 °C) und FPM(Viton)/Gewebe (−20 °C bis +200 °C) lieferbar. NBR eignet sich für Mineralöle und Fette bei Standardtemperaturen. H-NBR wird bei erhöhten Temperaturen oder zinkhaltigen Hydraulikölen eingesetzt. FPM ist die Wahl bei aggressiven Medien oder Betriebstemperaturen über +120 °C.
- Bis zu welchem Druck ist der R50G einsetzbar?
Der R50G ist für drucklosen Betrieb bis 0,5 bar ausgelegt. Bei niedrigen Drehzahlen sind kurzfristig bis 1,5 bar möglich. Für Anwendungen mit dauerhaft höherem Druck (über 0,5 bar) ist der CARCOSEAL R70 (AP-Ausführung) mit Stützring die richtige Wahl.
- Warum darf die Teilfuge nicht verklebt werden?
Die Stoßstellen des R50G sind aus reinem Gummi gefertigt und dichten die Teilfuge im montierten Zustand durch radialen Andruck selbst ab. Kleber würde das elastische Anliegen der Gummienden verhindern und damit die Dichtwirkung an der Trennstelle beeinträchtigen. Die Teilfuge ist konstruktiv auf unklebte Montage ausgelegt.
- Welche Anforderungen stellt der R50G an die Wellenoberfläche?
Die Lauffläche muss drallfreien Schliff aufweisen, um einen Pumpeffekt zu vermeiden. Empfohlene Rauheit: Ra 0,2–0,8 µm, Oberflächentraganteil 50–90 %. Die Oberflächenhärte sollte 45–60 HRC betragen, mit einer Einhärttiefe von mindestens 0,5 mm. Bei hartverchromten Wellen ist auf ausreichende Schichtdicke zu achten.
- Was bedeutet Carcoflon-Beschichtung und welchen Vorteil hat sie?
Carcoflon ist eine Elastomer-PTFE-Mischung, mit der die Dichtlippe des R50G standardmäßig beschichtet ist. Sie reduziert die Reibung um ca. 25 % gegenüber Standard-Gummi, verhindert den Stick-Slip-Effekt beim Anfahren und schützt die Dichtlippe bei kurzzeitigem Trockenlauf oder Mangelschmierung.
- Wie groß darf die Exzentrizität der Welle sein?
Die maximal zulässige Gesamtexzentrizität setzt sich aus statischem Mittenversatz und dynamischer Unwucht zusammen. Bei Wellendurchmessern 50–100 mm beträgt der max. statische Mittenversatz 0,45 mm, bei 100–250 mm 0,50 mm. Beide Anteile werden addiert. Spezialausführungen können bis 2 mm Exzentrizität bei großen Durchmessern und niedriger Drehzahl ausgleichen.