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Beschreibung
Hythane-Nutringe Typ 601 werden für leichte und mittelschwere hydraulische Anwendungen eingesetzt. Das symmetrisch ausgebildete Dichtlippenprofil erlaubt die Verwendung sowohl als Kolben- als auch als Stangendichtung in einfachwirkenden Hydraulikzylindern. Der Nutring eignet sich damit besonders für die Ersatzteilversorgung, wenn die genaue Funktion des auszutauschenden Dichtelements nicht sicher bekannt ist.Der Werkstoff Hythane 181® ist ein Polyether-Polyurethan mit extrem hoher Abriebfestigkeit, sehr geringem Druckverformungsrest und hoher Flexibilität über einen weiten Temperaturbereich. Das Material ist beständig gegen Luft und Mineralölhydraulikflüssigkeiten. In Wasser und Wasser-Öl-Emulsionen (HFA, HFB) ist die maximale Einsatztemperatur auf +60 °C begrenzt. Bei HFC- und HFD-Druckflüssigkeiten muss die Eignung im Einzelfall geprüft werden.
Der Betriebsdruckbereich beträgt bei einer Gleitgeschwindigkeit von bis zu 1,0 m/s maximal 280 bar (bei -45 °C bis +80 °C) bzw. 250 bar (bei -45 °C bis +110 °C). Bei reduzierter Gleitgeschwindigkeit von bis zu 0,5 m/s sind bis 400 bar (bei -45 °C bis +80 °C) bzw. 350 bar (bei -45 °C bis +110 °C) möglich. Der maximale absolute Einsatzbereich des Werkstoffs liegt bei bis zu 600 bar, -45 °C bis +110 °C und 1 m/s Gleitgeschwindigkeit.
Nutringe mit schmalem Profil "S" sind für die Schnappmontage auf einteilige Kolben geeignet. Größen mit breitem Profil "S" erfordern axial offene Einbaunuten.
Merkmale
- WerkstoffHythane 181® (Polyether-Polyurethan, EU)
- Temperaturbereich-45 °C bis +110 °C (Mineralöl); in HFA/HFB-Medien max. +60 °C
- Max. Betriebsdruck bei v ≤ 1,0 m/s280 bar (bis +80 °C) / 250 bar (bis +110 °C)
- Max. Betriebsdruck bei v ≤ 0,5 m/s400 bar (bis +80 °C) / 350 bar (bis +110 °C)
- Max. absoluter Einsatzbereich600 bar / -45 °C bis +110 °C / 1 m/s
- Gleitflächenrauheit (Gleitflächen)Ra 0,1–0,4 µm, Rt max. 4 µm
- Gleitflächenrauheit (statische Flächen)Ra max. 1,6 µm, Rt max. 10 µm
- ProfilSymmetrisch (verwendbar als Kolben- und Stangendichtung)
- WirkungsweiseEinfachwirkend
- MedienbeständigkeitLuft, Mineralöl (HH, HL, HLP); HFA/HFB bis +60 °C; HFC/HFD auf Anfrage
- Toleranz Einbauraum Kolben (Ø d1)js 11
- Toleranz Einbauraum Stange (Ø d1)f9
- Nutbreite (L1)+0,25 / -0
Vorteile
- Symmetrisches Lippenprofil ermöglicht den Einsatz als Kolben- oder Stangendichtung aus einem einzigen Typ, was den Ersatzteilaufwand und die Lagerhaltung reduziert.
- Hythane 181® (Polyether-PU) hat einen sehr niedrigen Druckverformungsrest, was dauerhaft sichere Dichtwirkung auch nach längerem Stillstand oder wechselnden Druckbelastungen sicherstellt.
- Extrem hohe Abriebfestigkeit des Werkstoffs verlängert die Standzeit in abrasiven Hydraulikumgebungen gegenüber Standard-Elastomerdichtungen.
- Hohe Kälteflexibilität bis -45 °C ermöglicht den Einsatz in Außenanlagen und mobilen Maschinen bei tiefen Umgebungstemperaturen.
- Schmale Profilbreiten "S" sind für Schnappmontage auf einteilige Kolben ausgelegt, was die Montagezeit bei der Zylinderreparatur verkürzt.
Einsatzgebiete
- Ersatzteilversorgung von Hydraulikzylindern
- Wenn beim Austausch nicht mit Sicherheit bekannt ist, ob das Original eine Kolben- oder Stangendichtung war, kann Typ 601 durch sein symmetrisches Profil beide Funktionen übernehmen.
- Einfachwirkende Hydraulikzylinder in Werkzeugmaschinen
- In Klemmzylindern, Spannsystemen und Hubvorrichtungen in der Leichthydraulik bis 280 bar, wo gleichmäßige Dichtwirkung bei geringer Reibung gefordert ist.
- Hebezeuge und Hebebühnen
- Einsatz als Kolbendichtung in einfachwirkenden Hubzylindern mit Eigengewichtsrückhub, typisch in Werkstattliften, Scheerenbühnen und Ladekranen.
- Landmaschinen und Anbaugeräte
- Als Stangendichtung in hydraulischen Stellzylindern an Pflügen, Sämaschinen und anderen Anbaugeräten, die gelegentlichen Druckspitzen und wechselnden Temperaturen ausgesetzt sind.
- Leichte Baumaschinen und Kippanhänger
- In Kippzylindern und Auslegerstellzylindern, wo die Schnappmontage auf einteilige Kolben die Reparaturzeit im Feldeinsatz verkürzt.
- Spritzgussmaschinen und Roboterausrüstungen
- Als Dichtelement in Zylindermechanismen, die saubere Betriebsbedingungen und definierte Leckagedichtheit bei mittlerem Druck erfordern.
Do's and Dont's
Do's:- Nutring bis zur Montage in der Originalverpackung lassen; kühl, trocken und dunkel lagern.
- Gleitflächen und Nutring vor der Montage mit HZ103 (Ölhydraulik) oder HZ103W (Wasser) benetzen.
- Zylinderrohre mit gehonten Flächen (Ra 0,1–0,4 µm) einsetzen, um optimale Schmierung und Standzeit zu erreichen.
- Bei HFA/HFB-Medien (Wasser-Öl-Emulsionen) die Temperatur auf max. +60 °C begrenzen.
- Vor Inbetriebnahme Hydrauliksystem gründlich entlüften.
- Nicht mit Bremsflüssigkeiten auf Glykol-Basis (DOT3/DOT4) einsetzen — Polyether-PU ist in diesen Medien nicht beständig.
- Keine scharfen oder metallischen Montagewerkzeuge verwenden, die die Dichtlippen beschädigen könnten.
- Dichtelemente aus elastischen Werkstoffen dürfen unter Druck nicht über Querbohrungen oder Spalte gleiten.
- Gleitgeschwindigkeit von 1 m/s nicht überschreiten.
- Nicht in HFC- oder HFD-Druckflüssigkeiten einsetzen, ohne vorherige Einzelfallprüfung durch HENNLICH-Anwendungstechniker.
Montage
- Einbaunut und Gleitflächen vor der Montage von Schmutz, Metallspänen und Verunreinigungen reinigen. Einbauräume auf Beschädigungen und Gratfreiheit prüfen.
- Alle Kanten an Gleitflächen, Gewinden und Nuten müssen gratfrei und gut verrundet sein. Radialbohrungen auf Gleitflächen vermeiden.
- Dichtungstyp, Abmessungen und Einbaurichtung vor der Montage prüfen. Seitenrichtigen Einbau sicherstellen.
- Gleit- und Dichtflächen sowie den Nutring selbst mit einem kompatiblen, nicht aggressiven Fett benetzen (empfohlen: HZ103 für Ölhydraulik, HZ103W für Wasserhydraulik).
- Nutringe mit schmalem Profil "S": Schnappmontage durch Überknöpfen auf einteilige Kolben möglich. Nutringe mit breitem Profil "S": axial offene Einbaunut erforderlich.
- Zylinder nach der Montage sorgfältig entlüften, um Luftschäden an Dichtungen und Führungen (Dieseleffekt, Kavitation) zu vermeiden.
Empfohlene Oberflächengüte der Gleitflächen: Ra 0,1–0,4 µm, Rt max. 4 µm. Stangen aus hartverchromtem Stahl mit Mindesthärte 45 HRC, optimal 55–60 HRC. Zylinderrohre bevorzugt gehont.
FAQ
- Kann ich den Typ 601 sowohl als Kolben- als auch als Stangendichtung einbauen?
Ja. Das symmetrisch ausgelegte Dichtlippenprofil ermöglicht den Einsatz in beiden Positionen. Typ 601 wird speziell für Fälle empfohlen, in denen beim Ersatzteilbedarf unklar ist, ob es sich um eine Kolben- oder Stangendichtung handelt.
- Bis zu welchem Druck ist der Hythane-Nutring 601 einsetzbar?
Bei einer Gleitgeschwindigkeit von bis zu 1,0 m/s sind 280 bar bei Temperaturen bis +80 °C und 250 bar bis +110 °C möglich. Bei reduzierter Geschwindigkeit von bis zu 0,5 m/s steigt der zulässige Druck auf 400 bar (bis +80 °C) bzw. 350 bar (bis +110 °C). Der absolute Maximalbereich des Werkstoffs Hythane 181® liegt bei 600 bar.
- Welche Hydraulikmedien sind mit dem Typ 601 verträglich?
Hythane 181® ist geeignet für Luft und Mineralölhydraulikflüssigkeiten (HH, HL, HLP). In Wasser-Öl-Emulsionen (HFA, HFB) gilt eine Temperaturbegrenzung auf +60 °C. Für HFC- und HFD-Druckflüssigkeiten muss die Eignung im Einzelfall geprüft werden. Bremsflüssigkeiten auf Glykol-Basis sind nicht geeignet.
- Wie muss die Oberfläche von Zylinderstange und Zylinderrohr beschaffen sein?
Gleitflächen müssen Ra 0,1–0,4 µm und Rt max. 4 µm aufweisen. Kolbenstangen sollten hartverchromt und auf mindestens 45 HRC gehärtet sein. Zylinderrohre bevorzugt honen, da gezogene Rohre die Anforderungen oft nicht erfüllen.
- Was ist der Unterschied zwischen schmalem und breitem Profil "S" beim Typ 601?
Nutringe mit schmalem Profil "S" können durch Schnappmontage auf einteilige Kolben aufgeknöpft werden, ohne dass der Kolben geteilt sein muss. Größen mit breitem Profil "S" verlangen axial offene Einbaunuten und damit einen geteilten Kolbenaufbau.
- Warum versagt eine Hythane-Dichtung vorzeitig durch Leckage?
Häufige Ursachen sind zu raue Gegenflächen (Rt über 4 µm), überschrittener Dichtspalt (F-Wert), zu hohe Betriebstemperatur in Kombination mit hohem Druck sowie Luftblasen im System, die Kavitation oder den Dieseleffekt auslösen. Auch der Einsatz in ungeeigneten Medien (z. B. Wasser-Glykol-Gemischen über +60 °C) führt zu vorzeitigem Materialabbau.